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Am 15. Juni 2007 erschien die PC-Version zu Colin Mc Rae: DiRT in Deutschland. Rund ein halbes Jahr später wird die Steelbook-Edition zum Schleuderpreis für 30 Euro angeboten. Grund genug, dem neuesten Teil aus dem Hause Codemasters einmal auf den Zahn zu fühlen. Also anschnallen und lesen!
Start your Engines
Der Name Colin Mc Rae gilt seit rund zehn Jahren für fesselnde und actionreiche Rennspielkost mit Simulationsanspruch. Umso tragischer ist es, dass der Namensgeber der Serie im September 2007 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam. Der mittlerweile sechste Teil der Serie lies rund zweieinhalb Jahre auf sich warten. Eine lange Zeit in der Spieleentwicklung, werden neue Versionen doch mittlerweile im Jahresrythmus auf den Markt geworfen. Im Fall von Colin Mc Rae: DiRT hat man die Entwicklungszeit allerdings gut genutzt.
Im Vergleich zu den üblichen Spieleverpackungen sieht die Steelbook-Edition optisch hübsch aus. Der Inhalt ist im Vergleich zur herkömmlichen Version dann aber doch identisch. Ein 28-Seiten-Handbuch, eine Registrierungskarte für kostenlosen Zusatz-Content und natürlich die Spiel-DVD sind in ihr zu finden. Wer also Wert auf eine optisch schöne Verpackung legt, sollte sich das gute Stück Blech holen – die Steelbook-Version ist nämlich zum selben Preis der normalen Version erhältlich.
„Willkommen bei Colin Mc Rae – DiRT“
Nach der rund 11 GB-großen Installation und dem Intro in HD-Optik startet das Hauptmenü mit einem etwas peinlich wirkenden Sprecher: „Willkommen bei Colin Mc Rae – DiRT“. Erste Neuerung die auffällt: Die Menüs sind komplett in 3D. Die Kamera bewegt sich nun in allen Richtungen durch die Menüs. Während des Ladevorgangs werden die bisher erzielten Ergebnisse und Platzierungen sowie Rundenzeiten angezeigt.
Spielmodi
Als Spielmodi stehen Karriere, Meisterschaft und Rally-Welt zur Auswahl. Im klassischen Karrieremodus arbeitet Ihr Euch durch die verschiedensten Rennen und Wettbewerbe entlang einer Rang-Pyramide nach oben, verdient Geld und kauft neue Fahrzeuge. Im Einzelnen sind die Rennen in Veranstaltungen wie Rally-Cross, Rally-Raid, Hillclimb und Offroad-Rennen quer über den Globus verteilt. Beim amerikanischen CORR-Cup kämpft Ihr zum Beispiel in spannenden Duellen Rad an Rad um jede Platzierung. Auch Duelle gegen einen direkten Kontrahenten auf abgesteckten Rundkursen sind wieder mit von der Partie. Da das Spiel keine WRC-Lizenz besitzt, sind die Strecken jedoch nur an Vorbilder angelehnt. Rasen dürft Ihr zum Beispiel in Italien, Frankreich, Deutschland und den USA. Schnee,- Eis - und Regenrennen fehlen leider komplett. Diese sollten in einen Nachfolger unbedingt wieder integriert werden.
Schöner Rasen
Die Fahrzeuge waren in der Colin-Serie schon immer ein Highlight, auch der neueste Ableger bildet hier keine Ausnahme. Die Autos stehen in Sachen Optik ihren realen Vorbildern in nichts nach. Jedes Detail wurde mit exakt modelliert. Der gesamte Fuhrpark ist ein wahres Fest für die Augen. 46 verschiedene Fahrzeuge warten darauf, über die Pisten gejagt zu werden. Darunter 2WD- und 4WD-Boliden wie der Suzuki Swift, Opel Corsa, Mitsubishi Lancer oder der Subaru Impreza, aber auch Renntrucks, Offroad-Buggys, Rally-Raid-Fahrzeuge wie der BMW X3 und klassische Fahrzeuge wie der Lancia Delta. Wem das an cmr6.jpg Individualisierung noch nicht reicht, der darf aus über 150 Originallackierungen seinen Favoriten auswählen – natürlich nur gegen Bares versteht sich. Die Setup-Garage bietet wieder viele Möglichkeiten, sein Fahrzeug auf das Rennen optimal einzustellen. Radsturz, Spurwinkel, Getriebeübersetzung, Bremsen und Differenzial sind dabei nur ein paar der vielen Konfigurationsmöglichkeiten. In der Praxis erzielt man aber bereits mit den Standard-Setup sehr gute Ergebnisse. Man muss also nicht zwangsweise den Schraubenschlüssel bemühen, um aufs Siegertreppchen zu kommen. Wer sein Setup testen und nebenbei auch gleich die Streckencharakteristik kennenlernen möchte, dem sei der Shakedown ans Herz gelegt. In den rund eineinhalb Minuten fahrt Ihr einen Teil der nächsten Strecke ab und lernt so das Verhalten Eures Boliden besser einschätzen.
Von 200 auf 20 in 0,5 Sekunden!?
Auch das Fahrmodell der Colin-Serie gehört seit jeher zum Besten, was man auf dem PC zu spielen bekommt. DiRT ist in diesem Punkt allerdings zunächst ein kleiner „Rückschritt“. Die Fahrzeuge steuern sich wesentlich arcadelastiger als noch in den Vorgängern. Die aberwitzige Bremsleistung tut ihr übriges dazu. Ein Beispiel: Ihr kommt vor einer Haarnadelkurve mit 170 Sachen angebrettert. 50 Meter vor der Kurve (also eigentlich viel zu spät) bremst Ihr. In jedem anderen Colin-Teil wäre das mit einer Begegnung der Leitplanke verbunden. In DiRT meistert Ihr diese Situation dank der Bremsverzögerung noch relativ gut. So reicht es vor Kurven oftmals aus, die Bremse leicht anzutippen um das Fahrzeug von „viel zu schnell“ auf „passt durch jede Haarnadelkurve“ herunter zu bremsen.
Ebenso braucht man sich vor den gefürchteten Straßenbelags-Wechseln weniger Sorgen zu machen – das Fahrzeug bleibt davon relativ unberührt. Es ist schon ein Unterschied zwischen Asphalt und Schlamm bemerkbar, allerdings nicht mehr so deutlich wie zum Beispiel in Colin Mc Rae Rally 2.0. Ein kontrollierter Drift ist nur mit viel Wohlwollen möglich. Hört sich alles eher nach reinrassiger Arcade-Raserei an? Mitnichten! Der Subaru Impreza zum Beispiel ist trotz Allradantrieb eine ganz schön giftige Schleuder (geblieben). Auch die Offroad-Buggys wollen vor einem Sprung richtig ausgerichtet sein, sonst fällt die Landung im wahrsten Sinn des Wortes schräg aus. Codemasters erleichtert dank des etwas entschärften Fahrmodells auch Einsteigern den Weg in das Spiel. Trotzdem bleibt es auf den Schwierigkeitsgraden „Pro-Amateur“ und „Pro“ noch angenehm fordernd. Mancher Colin-Veteran könnte sich trotzdem auf dem höchsten von fünf Schwierigkeitsgraden leicht unterfordert fühlen. Hat man sich aber erst einmal an die Steuerung gewöhnt, macht es richtig Laune durch die australische Steppe oder die deutschen Weinberge der Eifel zu brettern.
Schadensmodell
Wo andere Rennspiel-Serien mehr als zehn Auskopplungen benötigen, ist die Colin-Serie seit jeher Referenz. Das schadensmodell.jpg Schadensmodell ist trotz Herstellerlizenz wieder extrem detailliert ausgefallen. Scheiben bekommen Risse und gehen realistisch zu Bruch, Stoßstangen und Motorhauben verbiegen sich passend zur Kollision, Spurstangen verstellen sich beim Seiteneinschlag in die Bande. Wer es übertreibt und meint, abseits der Pisten etwas pflügen zu müssen, wird mit einem spektakulären Totalschaden „belohnt“. Auch die Umgebung verformt sich dazu passend. Bandenwerbung und Leitplanken geben sich der Physik ebenfalls geschlagen und verbiegen sich bei einer Berührung.
Je nach Schwere des Unfalls steuert sich übrigens auch Euer Wagen. Bei einer leichten Berührung der Streckenbegrenzung kann es sein, dass Ihr den Rest der Strecke nur leicht gegenlenken müsst. Demoliert Ihr Euch allerdings die Reifen, fahrt Ihr das Rennen unter Umständen auf der Felge zu Ende. Bestzeit Ade! Am Ende eines Rennens stehen Euch die bereits aus den Vorgängern bekannten 60 Minuten Reparaturzeit zur Verfügung um den Wagen wieder flott zu bekommen.
Grafik
Grafisch ist der neueste Teil ein absoluter Hingucker. Die eigens entwickelte „NEON-Engine" zaubert wahrlich einen realistischen Next-Gen-Look auf den Bildschirm. Waren die Streckenumgebungen früher eher ödes Beiwerk, so sind es heute optisch ansprechende Landschaften, die nur so vor Details strotzen. Gepaart mit der (manchmal schon übertriebenen) High Dynamic Range-Beleuchtung wird DiRT zu einem Fest für Grafikfetischisten – und zu einer Belastungsprobe für Grafikkarten. Hässliche 2D-Bitmap-Zuschauer sind animiertem Publikum gewichen, das am Streckenrand mit schwenkenden Landesflaggen für eine glaubwürdige Atmosphäre sorgt. Lediglich für Zuschauertribünen hat man sich weiterhin der beliebten Pappaufsteller bedient.
Fahrer und Beifahrer wurden allerdings mit viel Liebe zum Detail modelliert. Die Fahrzeuge sind, wie oben schon erwähnt, ein echter Augenschmaus. Bei nasser Straße wirbeln schöne Wassereffekte, auf staubigen Wegen verschmutzt Euer Fahrzeug zusehends.
Wer seine Fahrt in Ruhe noch einmal miterleben möchte, dem sei die Wiederholungs-Funktion empfohlen. Aus verschiedenen Kamera-Perspektiven könnt Ihr so Rennen noch einmal aus dem Blickwinkel des Zuschauers miterleben. Für extra stilistische Fahrmanöver lässt sich die Abspielgeschwindigkeit mit der Zeitlupenfunktion drosseln.
Sound
Auch soundtechnisch ist Colin Mc Rae: DiRT ein akustischer Hörgenuss. Motoren röhren, Zuschauer feuern den Fahrer beim Start mit Pressluft-Fanfaren an und bei einem Unfall meint man fast schon jedes Teil zu hören, dass sich vom Wagen löst. Der Beifahrer beschränkt sich auf das Wesentliche: „3 links, 2 rechts, über Kuppe, dann lange 4 links“.
Dank präzisen Surroundeffekten könnt Ihr Eure Verfolger bereits hören, bevor sie zum Überholvorgang ansetzen. Zudem unterstützt das Spiel EAX 5.0, welches ausschließlich Creative-X-Fi-Soundkarten vorbehalten ist. Nähert Ihr Euch zum Beispiel einer Mauer, könnt Ihr den hauchdünnen Abstand zur Fahrzeugtür geradezu spüren bzw. hören. Schaltet Ihr auf die Innenperspektive ist vom Motor nur noch ein dumpfes Grollen zu hören. Dafür hört Ihr den Gangwechsel und das Pfeifen des Turbos umso deutlicher. Mittendrin statt nur dabei!
FAZIT: Colin 6 behauptet seinen Genre-Thron
Die Colin-Serie ist mit DiRT erfolgreich in der Next-Gen-Welt angekommen. Es macht einfach einen Riesenspaß mit dem „Colin-Gefühl“ durch die Landschaften zu brettern um eine Bestzeit nach der anderen aufzustellen. Dabei sieht das Spiel auch noch umwerfend gut aus. Der erweiterte Umfang der Rennserien hat dem Spiel definitiv gut getan. Das vereinfachte Fahrmodell spricht auch Einsteiger an, jedoch sollte Codemasters bei einer Fortsetzung daran denken, die Stammspieler der Serie nicht zu unterfordern. Im Fall der Fahrphysik könnte man sich am zweiten Teil (der für mich immer noch als Referenz in Sachen Fahrgefühl zählt) orientieren. Für alle, denen Richard Burns Rally zu hart und Sega Rally zu leicht ist, werden mit Colin Mc Rae: DiRT glücklich werden. Für 30 Euro kann man nicht viel falsch machen. Wer sich immer noch nicht sicher ist, lädt einfach eine Demoversion zum Probe fahren herunter.
 cmr1.jpg  Vergleich mit und ohne High Dynamic Range  cmr2.jpg
Technik-Infos
Spiel-Version: 1.2
Kopierschutz: Starforce
Gespielt mit: 1280x1024 (volle Details)
Steuerung: Gamepad/Tastatur
Testsystem:
Intel Core2Duo E6750
2 GB RAM
GeForce 8800 GTS (640 MB)
Creative Soundblaster X-Fi
Windows XP
Sonstiges
Wenn Euch das oben angesprochene Bremsverhalten in DiRT stört, solltet Ihr Euch die Community-Tools “DiRT-Tweaker“ und „Realistic-Grip-Patch“ näher ansehen. Beide nehmen Anpassungen am Fahr- und Bremsverhalten vor. Das Spiel tendiert somit wieder etwas weiter in Richtung Simulation. Auch der HDR-Effekt lässt sich nur mit dem "HDR-Tweaker" abschalten.
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