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Wenn Spiele übermäßigen Hype erfahren, rüsten sich Spieler meistens für 2 mögliche Szenarien: Entweder wird der Titel hervorragend und erfüllt jede Erwartung und geht als Großartiges Spiel in die Geschichte ein – oder er scheitert traurig an allen Forderungen und erinnert an einen lächerlich bemühten Marketingversuch für ein unsagbar schlechtes Spiel.
Werfen wir in diesem Zusammenhang also einen Blick auf das kürzlich erschienene „Assasin’s Creed“ von UBISOFT um zu sehen, wo das Spiel die Messlatte ansetzt. Der Test bezieht sich auf die PS3-Fassung, wobei der Titel ist aber auch für die Xbox 360 erschienen ist.
Das Spiel
Wir befinden uns im Jahre 1190 und werden mitten in den Kreuzzug geworfen, der gerade in Israel tobt. Der Hauptcharakter, welcher auf den Namen Altair hört, ist seines Zeichens Auftragsmörder und Mitglied der (real existierenden) Hashshashin-Sekte. Er führt für diese eine Reihe Aufgaben aus, um seinen Namen wegen eines früher verpatzten Auftrags rein zu waschen.
Aber all das existiert nicht wirklich, sondern wird in einer ziemlich wirren Art und Weise eingeführt – und zwar in einer vagen Zukunft, in der Desmont (einer von Altaire’s Nachfahren) von einem riesigen Forschungsunternehmen gefangen gehalten wird. Man benutzt ihn, um diverse Erinnerungen zu Beschaffen, welche in seiner DNA gespeichert sind. Dazu wird eine spezielle Maschine namens „Animus“ (Leben) eingesetzt, die Erinnerungen vergangener Generationen lesen, verbildlichen und dadurch wiederherstellen kann.
Der Spieler springt immer wieder zwischen diesen beiden Welten, wobei meistens Altaire’s Vergangenheit, manchmal aber auch Desmonts Schicksal in Gefangenschaft weiter aufgeklärt wird. So entfalten sich im Laufe des Spiels zwei grundverschiedene Storylines.
Gameplay
Der Schwerpunkt des Spiels liegt in Altaire’s Akrobatik- und Auftragsmordfähigkeiten. Man springt dabei durch die Straßen und über Dächer von 3 historisch glaubwürdig nachgebauten Städten: Jerusalem, Acre und Damaskus. Die Spieldesigner haben eine Menge Aufwand in die Glaubwürdigkeit des Settings gesteckt und legten dabei großen Wert darauf, dass alle im Spiel befindlichen Personen und Orte aus glaubwürdigen historischen Quellen stammten.
Eure Auftragsmord-Ziele umfassen sowohl Waffenhändler als auch wichtigen religiöse und politische Ziele. All euer Schaffen dient dabei einem größeren Ziel, dass sich im Laufe der Story nach und nach herauskristallisiert. Um diese Ziele zu erreichen, muss der Spieler dabei eine Reihe von Schleich- und Kampfeinlagen absolvieren, wobei Altair hierbei eine breite Palette an Fähigkeiten zur Verfügung steht: Man kann mit der Masse verschmelzen und sich als umherlaufender Mönch tarnen, einen leisen Mord mit versteckten Klingen durchführen, Wurfmesser einsetzen oder brachial hervorpreschen und sogar die steilsten Türme und Gebäude erklimmen. Alle Bewegungen sind fließend und wirken sehr natürlich. Altair führt bei den Klettereinlagen die meisten Bewegungen automatisch aus, so dass man sich nicht mit Punktgenauen Sprüngen auseinanderzusetzen hat.
Abseits vom Morden und Springen kann man sich auch dazu entschließen, bestimmten Bürgern jeder Stadt zu helfen, in dem man sie aus der Unterdrückung durch ruchlose Wachen befreit, für sie Gespräche belauscht und Flaggen in einer GTA-ähnlichen Schatzjagd sammelt. Insgesamt gibt’s im Spiel also eine Menge für Euch zu tun.
Sollte ein Schleichansatz mal scheitern und es somit zum Nahkampf kommen, beweist Altaire, dass er nicht nur wie eine Gazelle auf Drogen rennen und springen, sondern auch einige der beeindruckendsten Moves ausführen kann, die man jemals in einem Videospiel zu sehen bekommen hat. Während die eigentliche Action sich nur auf das drücken weniger Knöpfe beschränkt, kommt es hierbei umso mehr aufs Timing an. Geling euch dies, resultiert das in spektakulären Gegenattacken, bei denen es einfach Spaß macht, zuzuschauen. Das Kampfsystem, obwohl nicht Hauptfokus des Spiels, ist sehr gut umgesetzt. Das geht soweit, dass ihr Euch manchmal absichtlich mit Wachen anlegt, nur um ein zünftiges Handgemenge zu erleben.
Reisen zwischen den großen Städten erfolgt zu Pferde, wobei der Spieler große Aussenareale und kleinere Dörfer am Straßenrand entdeckt. Dabei gibt es nur wenige Ladescreens im Spiel - hauptsächlich zwischen den Städten. Keine Lag- oder Laderuckler stören den Spielfluss.
Die Grafik
Spielt Ihr den Titel auf einem HDTV Gerät mit HDMI-Kabel sowie 1080i Auflösung, präsentiert sich Euch ein wahres Detailfeuerwerk. Es gibt Vögel die von Dächern fliegen, Umhänge und Capes, die sich an jedem einzelnen Bürger auf den Straßen bewegen sowie realistische Gesichtsausdrücke und dramatische Kamerafahrten während der Kämpfe. Immer wieder erhascht Ihr kurze Einblicke in den futuristischen Hintergrund des Erinnerungs-Programms, was durch flackernde Textfragmente im HUD erkennbar wird – dabei niemals den guten Spieleindruck (unter-)bricht. Zwischensequenzen können aus verschiedenen Kameraperspektiven betrachtet werden, um mehr vom Geschehen zu erspähen. Das Spiel macht regen Gebrauch von High-Dynamic-Range Rendering und lässt Sonnenlicht sehr natürlich verblassen, wenn ihr von Innenräumen ins Freie gelangt.
Assassin’s Creed darf sich zu Recht den Titel als das derzeit optisch beeindruckendste PS3 Spiel anheften. Der Titel zeigt, zu was die Konsole in der Lage ist. Der Detailgrad der Städte mit ihren zahllosen Hinterhöfen, Märkten und Handelsvierteln sowie hunderten an Leuten zu jeder Zeit ist schlicht atemberaubend. Es macht einfach Spaß, zu Pferde durch weitläufige Bergpässe direkt und fließend in die gefüllten Straßen des Zielorts zu reiten.
Ein kleiner Punkt, der sauer aufstößt: Das Spiel friert ab und zu ein, was den Spieler zu einem Reset der Konsole zwingt. Dies ist ein bestätigtes Problem auf PS3 und Xbox360 und UBISOFT wird bald einen Patch dafür herausbringen. Nichtsdestotrotz erfüllt die Autosave-Funktion treu ihren Dienst und lässt euch immer dort weitermachen, wo ihr zuletzt gewesen seid.
Der Sound
Eine eindrucksvolle Story und gute Grafik wären ohne den entsprechenden Soundtrack verschwendet – und glücklicherweise liefert UBISOFT einen solchen: Epische orchestrale Themen und donnernde Techno-Tracks werden nahtlos miteinander verknüpft um den Wechsel zwischen Erforschen und Kämpfen zu verdeutlichen. Dadurch wird dem Spiel wesentlich mehr Lebendigkeit eingehaucht. Die Musik passt sich der Situation immer sehr gut an und würde sich auch allein sehr gut behaupten.
Das Schöne:
+ tiefgründige, riesige Spielwelt, keine großen Ladezeiten
+ fesselnde und komplexe Story auf mehreren Ebenen
+ der wohl cool-böseste Hauptcharakter, der je in einem Spiel zu sehen war
+ saubere Steuerung macht Häuserspringen und Hälse schlitzen zum Kinderspiel
Das Hässliche:
- gelegentliche Hänger des Spiels, bestätigt auf beiden Versionen
- reiten zwischen den Städten kann monoton wirken
- Flaggen-Minispiel wirkt ein wenig aufgesetzt
Das Urteil
Wenn Ihr eine 360 besitzt, solltet Ihr das Spiel kaufen. Wenn ihr eine PS3 habt, solltet ihr es definitiv kaufen. Es ist momentan einer der besten Titel, den Ihr (neben Folklore und Resistance – Fall of Man) kaufen könnt. Das Spiel spielt seine Stärken auf der Konsole gekonnt aus und liefert euch ein innovatives Fest für die Sinne. Das Gameplay ist für jedermann zugänglich und präsentiert sich im unverbrauchten Setting mit tiefgründiger Story. UBISOFT hat mit Assassin’s Creed ein Meisterwerk abgeliefert, das wenig zu wünschen übrig lässt. Wenn die Fehler mal beseitig sind, wird das Spiel als eines der Besten in die Geschichte eingehen und mit Größen wie Half Life und GTA in einem Atemzug genannt werden. Viel Spaß damit!
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