
Kaum ein Spiel wurde wohl in den letzen Jahren mehr erwartet als der Action-Shooter Bioshock. Der Vorgänger "System Shock" war das, was ich als "Randgruppenspiel" bezeichnen würde: Von der Community geliebt, von der Presse gelobt - aber in den Regalen wie Blei.
Leider erging es vielen Spielen der letzten Jahre so: Hunderte Perlen, die, von der breiten Masse ungeliebt, in den Regalen versauerte. Auch ich muss zugeben, dass ich zwar viele dieser "Randgruppenspiele" gespielt, System Shock aber ausgelassen habe.
Nun ist Bioshock erschienen und will vieles besser machen. Was garantiert besser gemacht wurde, kann ich hier mit Sicherheit schon einmal vorweg nehmen: Die Werbung. Viele der früheren Perlen scheiterten, weil schlichtweg das Geld (oder Engagement) seitens der Publisher gefehlt hat.
Bioshock wurde nun mit Pauken und Trompeten Monate vor dem Release beworben - und um es kurz zu machen: Es verdient viele der Vorschusslorbeeren, schneidet aber am Ende etwas schlechter ab, als das grandios inszenierte Half Life. Warum, will ich im Folgenden näher erläutern.
Grafik - Augenweide mit verschenktem Potential
 Ein ungleiches Paar: Big Daddy und Little Sister
Sicherlich eine große Stärke von Bioshock ist die Grafik: Personen sind sehr detailliert, Gesichts- und sonstige Animationen absolut glaubwürdig und butterweich animiert. Das Spiel erzeugt durch sein Licht und Farbenspiel eine unglaubliche Atmosphäre. Alte Plakate im Stil der frühen 60er und 70er streiten sich mit einem postnuklearen Neonlook und erzeugen eine Ambiente, das beklemmender und interessanter gar nicht sein könnte. Zudem gibt es überall gibt im Spiel kleine Gimmiks zu entdecken, die nicht nur optischer Natur sind.
Geschlampt wird aber in der B-Note. Das Unterwassersetting ist unverbraucht und interessant, wird aber grafisch viel zu selten umgesetzt - dafür dann aber richtig: Wasserläufe behindern beim Durchlaufen die Sicht (nebst coolem Wasser-die-Scheibe-runter-Effekt) und zappelde Fische sorgen für eine weitere Steigerung der morbiden Atmosphäre. Die meiste Zeit aber läuft man durch enge Gänge und sieht nichts von der weitläufigen Unterwasserstadt Rapture. Hier wäre etwas mehr offenes "Gelände" besser gewesen.
Sound - Freude für die Ohren, schlecht fürs Nervenkostüm
Eine absolute Glanzleistung, für die die Sounddesigner von 2K / Take2 sicherlich einen Orden verdient hätten, ist die Sounduntermalung von Bioshock. Wer einmal den Kampf gegen einen martialisch brüllenden "Big Daddy" (die klobigen Tauchermonster im Spiel) bestritten hat, weiß wovon ich Spreche. An jeder Stelle im Spiel gibt es kleine Audiotagebücher (Tonbänder), die mit professionellen Sprechern die Geschichte um die Unterwasserstadt "Rapture" weiter füllen. Auch Gegner kommentieren ihr Unglück oder ihre Wut auf den Spieler, wobei man sich auch hier oft schmunzelnd erwischt, ehe man dann doch gezwungenermaßen den Abzug drückt.
Erwähnenswert ist sicherlich auch der Soundtrack. Der besteht zum einen aus orchestralen Klängen und zum anderen aus alten, bekannten 70er Jahre Klassikern. Wie sowas zu einem Shooter passt? Absolut! Es ist erschreckend, wie gut sich ein vom Grammophon erschallender Klassiker vom Kaliber "Frank Sinatra" in eine vom dunklen Lichtspiel und gejammer der Menschen durchflutete Halle einfügt. Eine Abart von Horror mit ganz eigenem Stil - und ein Untergangsszenario mit geradezu theatralischer Untermalung.
Gameplay - "nur"doch ein Shooter?
Wieder vorneweg: Bioshock spielt sich sehr gut. Die Grafik läuft auf meinem (Geforce 8800 GTs, 2 Gig Ram) System absolut flüssig, die Steuerung ist präzise und das Aufrüsten und Aufstöbern der Fähigkeiten (Plasmide - Gentechnische Veränderungen am Helden) macht großen Spass.
Und trotzdem hat das Spiel diverse Mängel, welche es an einem nahezu perfekt Inszenierten "Spiel"-Film der Marke Half-Life vorbeischrammen lassen:
- Man schießt sich durch diverse, leider oft ähnlich aussehende und gleich daherkommende Gegnerhorden mit lediglich steigender Menge an Hitpoints.
- Man sieht leider viel zu wenig des eigentlich interessanten Unterwassersettings - die meiste Zeit spielt man in verschlossenen dunklen Gängen.
- Doch am schwersten wiegt die Flache inszenierung des Hauptdarstellers. Mangels Personen zur Interaktion (einzige Kommunikations ist ein Funkgerät) lässt sich der charakter der eigenen Spielfigur nur erahnen und man vermisst das so typische Identifikationsgefühl das man von Gordon Freeman kennt. Gerade dieser Mangel an wirklich story-relevanten Nicht-Spieler-Charakteren kostet Bioshock die Krone und lässt die eigentlich ideenreiche Story etwas verblassen.
Fazit:
Alles in Allem macht dies aus Bioshock ein sehr gutes, allerdings nicht überragendes Spiel, das trotzdem jeder Shooter-Fan im Regal haben sollte - sofern sein PC die Anforderungen erfüllt. ;)
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