Fluch der Karibik 3
Piratenfilme sind selten geworden heutzutage. Und genau deswegen habe ich mir Fluch der Karibik 3 angetan, obwohl ich bereits vom 2. Teil nicht mehr sonderlich angetan war. Es gibt aber einige Dinge, die mich bei dieser Reihe sehr ansprechen:
- Etliche Anspielungen an eine sehr berühmte PC-Adventurereihe aus dem Hause "Lucas Arts"
- Piraten!
- Piratenzombies!!
- Ein sehr lustig schauspielender Johnny Depp
- Gute Effekte und nette Kulissen
- Eine einigermaßen sauber erzählte Geschichte
Die Handlung ist vielschichtig und setzt nahtlos an den Vorgängern an. Jack Sparrow hat sich am Ende von Teil 2 in den Rachen eines Riesigen Tintenfischs geworfen und ist damit ein gutes drittel im Film unpässlich (was sich leider auch in der Qualität des Humors bemerkbar macht). Wie es der Zufall aber will, ist seine Hilfe gegen die übermächtig scheinende "East India Trading Company" vonnöten, da diese den kompletten Berufsstand Pirat zu vernichten droht. Es soll daher ein Treffen aller Piratenlords vereinbart werden, zu denen unglücklicherwiese auch Jack zählt. Also segeln die Protagonisten mal eben ans Ende der Welt, um Jack Sparrow zu befreien.
Insofern bietet der Film schon mal eine interessante Basis. Doch gilt es, auch die anderen Figuren entsprechend mit Handlung zu versehen, was leider nicht immer gut gelingt. Da wäre die aus Teil 1 bereits begonnene Liebesgeschichte von Will und Elizabeth, die Handlung um den Untoten Davvy Jones aus Teil 2, und (damit verbunden), Will's Bemühungen, seinen Vater vom Schiff der Untoten zu befreien.
Es kann also gesagt werden, dass Fluch der Karibik 3 von allen Zutaten eine Menge bietet. Doch wie so oft heisst "viel" nicht automatisch auch "gut". Das geht bereits bei der Gesamtspieldauer von 170 Min los: Hier hätte man wirklich viele Szenen einsparen, s

fluchderkaribik3
innvoller nutzen, oder zumindest kürzen können. Viel im Film scheint darauf getrimmt, der ganzen Handlung durch möglichst umfangreiche Dialoge viel Tiefe zu verpassen. Da es wie bereits erwähnt so einige Handlungsstränge entsprechend auszufüttern gilt, mag dieser Gedanke ja nicht falsch sein, doch findet sich irgendwie keine rechte Balance innerhalb der Szenen ein. Ständig gibt es Sprünge zu den verschiedenen Protagonisten, die aber nicht immer nachvollziehbar sind, sondern eher aus Notwendigkeit heraus erfolgen. Das macht den Plot unnötig kompliziert und widerspricht zudem der Popcornunterhaltungs-Natur des Filmes. "Viel" trifft hier auch auf die Musikuntermalung zu, denn die eigentlich unterstreichende Musik drängt sich trotz der optisch ansprechenden Bilder öfters geradezu auf.
Das A und O in Piratenfilmen sind sicherlich auch die Actionsequenzen, von denen die Vorgängerfilme einiges zu bieten hatten. Fluch der Karibik 3 bietet zwar auch hier einige Ideen, doch sind die wirklich guten Sequenzen viel zu selten eingestreut, als dass sie von der träge dahindümpelnden Story wirklich ablenken könnten. Gerade einmal das Finale wartet mit wirklich bildgewaltigen und sehenswerten Sequenzen auf, verschenkt aber dank riesiger Logiklöcher sehr viel Potential.
Beispiele: Der Zuschauer bekommt 2 riesige Flotten vorgeworfen. Die gesamte Handlung des Films baute auf diesen einen finalen Kampf auf. Interessanterweise kommt jetzt noch eine Göttin ins Spiel.
Letztenendes wird einem dann davon nur ein riesiger Strudel mit 2 (zwei!) kämpfenden Schiffen serviert. Die "Göttin" äussert sich in Form einer Riesen-Frau, die wie eine schlechte Hommage aus "Riesenamazonen aus dem Weltraum" wirkt und kommentarlos verschwindet.
Nicht unbedingt das, was man unter einem sauberen Finale versteht.
Gerade hier liegt eigentlich auch das Hauptproblem des Films: Man sitzt relativ unemotional über 2 Stunden in seinem Kinosessel und schmunzelt über die vereinzelt eingestreuten Gags. Die kennt man aber aus anderen Filmen. Die Effekte sowie Actionssequenzen irgendwie auch. Also bleibt einem das Hoffen auf ein gutes Finale - und wird herb enttäuscht.
"Fluch der Karibik - Am Ende der Welt" ist beileibe kein schlechter Film. Die Handlung schließt rund ab, die Effekte und Schauspielerische Qualität sind gewohnt überdurchschnittlich. Für einen Popcornfilm sind die Handlungsstränge gewagt und vielschichtig. Aber gerade weil der Film so rund abschließt, sind die üblichen Anspielungen auf einen Folgeteil umso nerviger. Generell bietet der Film gute Qualität in vielerlei Hinsicht, doch fügt sich das ganze nicht zusammen.
Fazit:
Eine Analogie mit einem großen Fass nassem Schwarzpulver drängt sich auf: Man sieht die Lunte herunterbrennen, doch der spektakuläre Knall bleibt letztenendes aus.