I'm sorry but this article is not (yet) available in English. If you would like to have this translated, please leave a comment in the form below.
Wer kennt es nicht, das
übliche Vorurteil: Häufig hört man davon und meist hat man es dann selbst. Immer
wenn ein neues Produkt in eine altbekannte Produktreihe eingeführt wird, stößt dies
meist auf Abneigung. Das war schon bei Raider und Twix sowie dem neuen
Kinderriegel-Kind so und zieht sich durch fast alle Aspekte unserer
Gesellschaft.
Nun nehmen wir mal an,
ein neuer Bond kommt ins Kino. Setzen wir weiterhin den Fall, dass dieser neue
Bond blond und nicht mehr schwarzhaarig ist. Zudem ist der neue Bond nicht
gerade als "Frauenschwarm" bekannt und in der Filmszene auch noch
nicht so eine Größe wie ein Roger Moore oder Sean Connery. So und jetzt nehmen
wir mal an, dass Daniel Craig der neue James Bond sein soll!
Wie reagiert man nun
also? Richtig, meist mit Kommentaren wie "Der kann das bestimmt
nicht!" und "Das ist kein Roger Moore!". Tja und was soll ich
sagen? Auch ich erlag diesen Urteilen, zumal die ersten Poster zum Film nicht
gerade auf einen charmanten Frauenversteher schließen lassen. Da die Serie aber
einen gewissen Vertrauensbonus genießt, habe ich mir den Film dann doch im Kino
angesehen und musste feststellen, dass sich viele Vorurteile bei näherer
Betrachtung einfach nicht halten lassen.
Was soll man nun also als
Erstes sagen zu diesen neuen Bond? Ich kann es in einem Wort schon einmal
vorwegnehmen: Klasse. Daniel Craig spielt einen Bond, der sich wesentlich
dunkler präsentiert. Da werden Bösewichte mal eben nach einer langen Verfolgungsjagd
einfach erschossen oder ganze Botschaften in Schutt und Asche gelegt - Mr.
Craig zeigt hier, dass Agenten nicht immer nur verborgen und unentdeckt
agieren, sondern auch anders können. Bevor jetzt aber einige an einen
Ersatzrambo à la Triple XXX denken: Die Action ist im Film eher rar gesät,
dafür durchweg fulminant inszeniert. Vor allem Freunde des "Free
Running" (auch als Daniel Craig - Da steckt mehr im Hemd als man zunächst glauben mag Parkour bekannt) kommen hier mal voll auf ihre Kosten. Auch
die Autonarren und Gadgetfans werden überrascht sein - überrascht wohlgemerkt,
nicht unbedingt immer nur im positiven Sinne, auch wenn dieser Film wieder von
beidem etwas hat.
"Wieviel bleibt von
der Tradition dann überhaupt übrig?" wird wohl da der eine oder andere
fragen.
Ich meine: Mehr als genug! Auch dieser Bond bietet wieder jede Menge
hübsche Frauen, mit denen sich der 00-Agent mehr oder weniger wortgewandte
Duelle liefert. Daniel Craig spielt dabei einen sehr differenzierten Charakter:
Sowohl die Macho-Seite als auch der sinnliche, verliebte und (damit
einhergehend manchmal) verwundbare Teil von Bonds Seite wird glaubhaft und in
angemessener Länge auf die Leinwand gebannt. Manche Dialoge wirken dann zwar
noch etwas aufgesetzt, doch verzeiht man Herrn Craig diese kleinen Patzer
schnell, weil einen die gut platzierten Pointen doch schnell wieder zum
Schmunzeln bringen.
Was bleibt am Ende? Ich
würde sagen, dass ich selten Filme gesehen habe, die auf 2 1/2 Stunden so konstant gute Unterhaltung auf hohem Niveau
boten. Fans der Reihe dürfen sich sicherlich das Maul zerreißen, weil diesmal
so einige Traditionen der Serie gebrochen wurden oder zumindest zu kurz kamen. Ich
hingegen war der Meinung, dass viele Änderungen absolut in die richtige
Richtung gingen und die Bond-Reihe eher nach vorne bringen als schädigen.
Auch wenn der Film
"Casino Royale" heisst: Mit Glücksspiel hatte die Qualität des Films
letzten Endes nichts zu tun. Denn dieser Bond zeigt seine Stärken wieder mehr
in der Schauspielkunst und weniger in der "Verpackung" - ganz der
Tradition folgend. Ein Film, der jedem Gefallen dürfte, sofern er sich nicht
völlig seinen Vorurteilen hingibt. ;)
|