|
 Shrek 4 Gemessen an seinen frühen Erfolgen und der daraus resultieren Anzahl an Sequels, könnte man Shrek schon beinahe als eine eigenenständige TV-Serie betrachten und vermarkten.
Doch bereits nach dem dritten Teil zeigte die Reihe deutliche Ermüdungserscheinungen: zu uninteressant waren die neuen Figuren, zu abgedroschen kamen Story und Humor daher. Ist es da klug, noch einen vierten Teil nachzulegen?
Wenn man es richtig macht, schon!
Machen wir's richtig
Hohe Erwartungen waren es sicher nicht, die Kinogänger wie mich in
die vierte Neuauflage gelockt haben. Neben den aktuell sehr trendigen
3D-Features war es in erster Linie die Hoffnung, dass sich Dreamworks
auf die klassischen Werte der Reihe besinnt. Und Oger sei Dank wurde
ich nicht enttäuscht.
Dreamworks hat sich offenbar die Kritik am lahmen Vorgänger zu
Herzen genommen und quasi alle nervenden Elemente entfernt. Wieder im
Zentrum der Handlung erlebt Oger Shrek als frisch gebackener Vater
trotz der perfekt scheinenden Familienidylle die Schattenseiten des
Heldenlebens. Als bekanntestes Idol des Königreichs und stark
gefordertes Familienoberhaupt hat der grüne Unhold seinen ehemaligen
Angstfaktor vollends eingebüsst. So dauert es auch nicht lange, bis
Shrek sich die alten Jungesellen-Zeiten zurückwünscht und damit das
Böse auf den Plan ruft.
Hier taucht das hinterlistige Rumpelstielzchen auf und offeriert dem
Oger wie gewünscht einen scheinbar problemlosen 24-Stunden-Trip in
seine shrekliche Vergangenheit. Ganz der alten Märchenvorlage
entsprechend hält schon bald die Heimtücke Einzug und Shrek findet sich
in einer parallenlen Vergangenheit wieder, in der er nie existierte.
Somit verbleiben ihm geraden diese vertraglich zugesicherten 24
Stunden, um die ihm bekannte Normalität wieder herzustellen und
Rumpelstilzen als selbsternannten Herrscher abzusetzen.
Gegen die Zeit
Die interessant aufgesetzte Geschichte kombiniert der vierten
Shrek-Film mit einem angenehm hohen Erzähltempo. Damit werden auch
wieder die Stärken der Reihe deutlich: schnelle Action gepaart mit gut
platzierten Pointen und fiesen Anspielungen. Die wenigen neuen Figuren,
vorne weg natürlich Rumpelstielzchen und der Rattenfänger von Hameln
wirken gut platziert, "gewohnt ungewohnt" und dadurch auch sympathisch
– ganz anders noch als der nervige Königsbalg "Arthi" aus Teil 3, mit
dem man als Zuschauer selten richtig warm wurde.
Netter Fanservice von Dreamworks: Durch den Kniff mit der
Parallelwelt werden die bekannten Figuren wie Esel, Drache und der
gestiefelte Kater auf gekonnte Art sehr humorvoll neu aufgerollt.
Schnell breitet sich das warme Gefühl aus, eine gelungene Stunde
Unterhaltung zusammen mit alten Bekannten zu genießen.
Für immer gut?
Jedoch birgt das hohe Tempo auch einige Probleme. Gerade durch die
Reduzierung der Story auf den zentralen Held-Bösewicht-Konflikt bleibt
wenig Spielraum für die Nebenstränge. Das geht besonders zu Lasten der
interessanten neuen Nebenfiguren und Bösewichte. Wer beim fiesen
Rumpelstielzchen die charmant-sympathische Tiefe eines Prinz Charming
erwartet, wird herbe enttäuscht. Auch Esel und Kater hätten in diesem
abschließenden Teil deutlich mehr Spielraum verdient, werden jedoch die
meiste Zeit auf die Sidekick-Ersatzbank geschickt. Besonders ärgerlich:
Grenzgeniale Nebenschurken wie der Rattenfänger von Hameln versinken
bei ihren wenigen und zudem kurzen Auftritten völlig in der
Belanglosigkeit. Schade – denn gerade hier hätte dem fast durchgängig
unterhaltsamen Film mehr Spieldauer wesentlich besser zu Gesicht
gestanden.
Was bleibt also, wenn man einen Schlussstrich unter den nun vierten
(und vorerst letzten) Teil der Reihe zieht? Gute Unterhaltung, viele
gute neue Gags und eine gekonnte Reduzierung auf die Stärken der ersten
zwei Filme sind die Argumente, die für einen Kinobesuch sprechen.
Charakterliche Entwicklung und Story blieben jedoch zu großen Teilen
auf der Strecke und auch die so stark beworbenen 3D-Effekte wirken
meist eher zweckmäßig als beeindruckend. Von einer technischen
Brillianz eines "Avatar" ist Shrek trotz der gewohnt guten
Dreamworks-Renderqualität weit entfernt.
Doch aller Kritik zum Trotz wird man mit diesem Abschluss der Reihe
weitestgehend zufrieden gestellt und über die kurze Spieldauer zudem
noch mehr als gut unterhalten. So verabschiedet sich die
sympathisch-bunte Truppe zwar nicht gerade mit einem Paukenschlag, doch
bleibt sie dem Zuschauer immer in guter Erinnerung – ganz ähnlich wie
in einer guten, alten Serie.
|