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 Starcraft 2 - zwischen Hype und Hoffnung
Die Starcraft 2 Beta geht zu Ende und der Release am 27.7.2010 steht fest.
Die Beta war ein sehr spezielles Erlebnis, denn Starcraft 2 macht vieles besser als sein Vorgänger, wird aber wegen des neuen Battle.net sehr kontrovers diskutiert.
In diesem Special beleuchten wir die Fakten und Hintergründe zum wohl meistgespielten Echtzeittitel aller Zeiten.
Das neue Battle.net - Top oder Flop?
Es ist so weit. Der Beta-Client ist installiert und wir werden nach
einer kurzen Registration im Battle.net von einem stimmungsvollen (aber
auch leicht überfrachtet wirkenden) Startscreen begrüßt. Was hier
sofort auffällt ist Blizzards neues Konzept, alles in Starcraft 2 um
das runderneuerte Onlineportal aufzubauen. Leicht zugängliche Features
wie spielübergreifende Freundeslisten und Achievements verbinden alle
Blizzard-Titel und ihre Fans miteinander. Eine automatisierte Ladder
mit intern geführten Rankings sowie Voicechat und sogar eine
Facebook-Anbindung zeigen deutlich, in welche Richtung die neuartige
Social-Web-Sternenreise gehen soll.
 Neue Einheiten mit mehr taktischen Möglichkeiten fordern eine Umgewöhnung Garantiert nicht jeder wird diese Entwicklung begrüßen. Viele fangen
mit der Facebook-Thematik erst gar nichts an oder sind davon gar zu
Tode genervt davon. Hier gleich vorab zumindest eine Entwarnung: Wer
die Funktionen nicht nutzen will, muss das auch nicht tun. Lediglich
die Internetverbindung wird beim Onlinespielen (logischerweise)
vorausgesetzt - und ebenso natürlich auch ein Battle.Net-Account. Da
dies aber bei WOW, Diablo und Co. eh bereits Pflicht war, stört dies
den geneigten Zocker kaum. Lobenswerter weise bietet Blizzard bei einer
abgebrochenen Verbindung sofort den Offline-Modus an. Multiplayer,
Rankings und Achievements sowie Facebook-Funktionen sind so natürlich
nicht möglich, aber der viel versprechende Singleplayer-Modus bleibt
frei zugänglich. Erfreulich ist auch, dass das Battle.net laut Aussage
von Blizzard auch weiterhin kostenlos bleiben wird - trotz der
drastisch erweiterten Features und des Erfolgs von WOW ein fairer
Schachzug.
Fazit: Insgesamt zeigt sich das "neue" alte Battle.net bereits im
frühen Betastadium trotz "Schnüffelfunktionen" erstaunlich
unaufdringlich und technisch ausgereift. Die gängigsten Features wie
Freundeslisten, Gruppen- sowie Chatfunktionen funktionieren bereits
jetzt reibungslos. Die Verbindungen sind flott und eine neue
Registration ist eine Sache von Sekunden - Lags hingegen waren kaum
spürbar oder auf Seiten der betreffenden Spieler zu finden. Wer neue
Funktionen wie Facebook nicht nutzt, ignoriert diese einfach und
genießt stattdessen das Spiel - und zu genießen gibt's hier wirklich
viel.
Altbekannte sollt ihr sein!
Wer den Vorgänger Starcraft bereits gespielt hat, wird mit Starcraft
2 sofort warm, denn alles fühlt sich irgendwie vertraut an - und doch
auch irgendwie neu. Wie schon im Vorgänger buhlen drei
grundverschiedene Rassen um die Spielergunst. Und die Wahl fällt
absolut nicht leicht!
Das ist zugleich auch das Geheimnis der großen Beliebtheit der
Starcraft-Reihe: während andere Strategietitel wie Command&Conquer
oder Total Commander zwar unterschiedliche Fraktionen anbieten, sind
die Unterschiede meist rein kosmetischer Natur oder an einer Hand
abzuzählen. Die Auswahl der eigenen Partei ist hier somit eher eine
Geschmacks- als eine Sinnfrage. Doch nicht so in Starcraft 2! Jede der
drei spielbaren Rassen (Zerg, Terraner, Protoss) wartet mit
grundverschiedenen Mechaniken auf, die Blizzard teilweise noch
konsequenter ausgebaut hat.
Hier wären zuerst die Terraner zu nennen, welche gleichzeitig auch
die Hauptkampagne des ersten Teils bestreiten. Mit Gebäudebezeichnungen
wie Kaserne, Fabrik, Raketenturm oder Bunker wird man auch als
Quereinsteiger sofort warm. Die Terraner bieten zudem einen guten Mix
aus Offensive und Defensive und gehen mit vergleichsweise
ausgeglichenem Preis-/Leistungsverhältnis an den Start. Ihre Gebäude
sind zudem nicht nur teilweise flugtauglich, sondern gehören auch (dank
Upgrades) zu den wehrhaftesten im Spiel. Da Terraner ohne
Beschränkungen überall auf der Karte bauen können, stellen sie die
ideale Einstiegsrasse dar.
 Riesige Einheiten wie das Protoss-Mutterschiff sind mit Vorsicht zu handhaben Ganz so leicht spielen sich die Protoss hingegen nicht. Hier werden
Gebäude nicht einfach gebaut, sondern aus einer anderen Dimension
"herangewarpt". Da sich die religiös angehauchten Protoss sogar selbst
nicht völlig mit ihrer uralten und mächtigen Technologie auskennen,
sind ihre Gebäude irreparabel. Um dieses Manko auszugleichen, sind
Protoss-Einheiten mit einem regenerativen Schutzschild ausgerüstet. Die
Protoss verfügen somit über sehr gutes, aber auch sehr teures Rüstzeug
und wollen daher besonders umsichtig gespielt werden. Ihre
Teleport-Mechanik stellt zudem ganz eigene Ansprüche an die Strategie,
denn nur innerhalb des Wirkungsradius eines Energie abgebenden
"Pylonen" können Gebäude und - das ist ganz neu - auch erstmals
Einheiten auf das Schlachtfeld "gebeamt" werden. Wer also einen solchen
Pylon im Rücken des Gegners platziert, kann völlig andere Taktiken
durchziehen, als z.B. der eher defensiv spielende Terraner. Umgekehrt
kann man einem Protoss aber auch durch die Zerstörung eines Pylonen
gezielt den "Saft" abdrehen und ihm sprichwörtlich den "Spielraum"
kürzen.
 Darfs ein bisschen Meer sein? Dank besserer Engine überschwemmen die Zerg in wahren Massen das Schlachtfeld Terraner und Protoss spielen sich unterschiedlich, sind aber noch
nahe am gängigen Strategiestandard angesiedelt. Doch spätestens bei den
Zerg wird jeglicher Vergleich unmöglich. Diese erinnern an eine schleimige
Mischung aus Alien und Käfer und greifen ihre Gegner ausschließlich mit
naturgegebenen Waffen an. Krallen, Kiefer, Stachel und Säuren - wer es
gerne direkt liebt, ist bei den Zerg sehr gut aufgehoben. Einheiten
werden folglich nicht "produziert" sondern durch Mutation aus Larven
herangezüchtet.
Folglich gilt hier der Slogan "Die Masse macht's", denn Zerg
können mit mehreren Schwarmbauten in rasender Geschwindigkeit aus ihren
(automatisch nachwachsenden Larven) binnen weniger Sekunden ganze
Armeen ausheben. Die Zerg sind somit die ideale Rasse für Spieler, die gerne
flexibel reagieren und gleichzeitig hunderte kleiner Einheiten managen
können. Damit einher geht natürlich ein gewaltiger Ressourcenhunger,
den nur ein offensiv spielender Zergspieler wirklich zu stillen weiß.
Da Zergeinheiten sich auf dem sogenannten Kriecher (ein schleimiges
Sekret am Boden) schneller bewegen und auch nur dort ihre "Gebäude"
bauen können, ist eine stark expansive Strategie bereits der halbe Sieg.
Bis hierher wurde eigentlich nur altbekanntes zu Starcraft erwähnt.
Doch gerade die alten Veteranen, die nun schon seit mehr als 10 Jahren
auf den Nachfolger warten, stellen eigentlich nur eine zentrale Frage:
"Was gibt es denn nun wirklich Neues in Starcraft"
Neue Wege sollt ihr gehen!
Auch wer die Grundmechaniken von Starcraft bereits kennt, wird bei
jeder Rasse auf einige Überraschungen treffen. Viele alte Einheiten
wurden entweder völlig aus dem Spiel genommen oder als neue Einheit
(mit jeweils kombinierten Fähigkeiten) adaptiert. So sind die Terraner
nun mit wesentlich flexibleren Lufteinheiten unterwegs. Zudem setzen
sie dank heilender MedEvac-Schiffe auch im späteren Spiel wesentlich
stärker auf Marines als Rückgrat ihrer Streitmacht. Dank Reaktor an
einer Kaserne produziert man dementsprechend auch gleich die doppelte
Menge an mobiler Infanterie.
 Fussvolk - Terraner setzen nun stärker als zuvor auf Mechs und Marines Der damals sehr vielseitige "Goliath" Kampfläufer wurde gegen das
wesentlich größere (und kostspieligere) "Thor" Modell ausgetauscht,
genauso wie das alte Forschungsschiff einer offensiveren Variante
namens "Raven" weichen musste. Der altbekannte und heimlich agierende
"Ghost" ist auch wieder mit seinen fiesen Nuklearschlägen vertreten,
bekommt aber dank seiner EMP-Munition wesentlich mehr Bedeutung im
Kampf gegen Einheiten mit starken und gefährlichen Spezialfähigkeiten.
Alles in Allem spielen sich die Terraner von allen Rassen noch am
ehesten wie gewohnt, gehen aber mit mehr taktischer Breite und
offensiver als früher zu Werke. Die Neuerungen halten sich aber in
überschaubaren Grenzen, so dass Veteranen aus Starcraft 1 quasi sofort
loslegen können.
Die Protoss können nun wie bereits oben erwähnt Pylonen auch zum
direkten Teleportieren neuer Einheiten benutzen. Hierzu werden die aus
Teil eins bekannten Gateways (Kasernen) in spezielle Warpgates
umgewandelt. Diese neue Mechanik ändert die Spielweise der Protoss
grundlegend. Klug versteckte Pylonen - oder neuerdings auch zum mobilen
Pylon umwandelbare Truppen-Transporter - können so quasi binnen
Sekunden ein Hintertürchen in die gegnerische Basis öffnen.
Auch sonst wurde das kriegerische Portfolio der Protoss grundlegend
runderneuert. Die sogenannten "Stalker" Läufer sind solide Allrounder
für jede Armee und können dank "Blink" Fähigkeit auch kleinere Abgründe
mittels Teleport überwinden. Neu, und ein echter Brummer ist der
"Colossus", eine auf vier Beinen wandelnde aber fragile Kampfmaschine,
die auch Höhenunterschiede im Terrain einfach übergehen kann. Die
Warp-Prismen verstärken die Luftstreitmacht der Protoss und erhöhen
ihre Feuerkraft, umso länger sie auf ein Ziel fokussiert bleiben - ein
echter Killer gegen Gebäude und dicke Einheiten.
Das echte Highlight der Protoss aber ist das neue Mutterschiff,
welches mittels "Vortex" Fähigkeit nicht nur die halbe gegnerische
Armee zeitweise lahm legt, sondern auch alle benachbarten Einheiten
automatisch in ein Tarnfeld hüllt. Diese Einheit ist somit sehr mächtig
und kann daher pro Spieler immer nur als kostbares Einzelstück auf dem
Schlachtfeld kreisen. Insgesamt wurden die Protoss somit stark in ihren
taktischen Möglichkeiten erweitert, halten jedoch konsequent an ihrem
Image der teuren "Edel-Einheiten" fest.
 Schnell, billig, gut - Zerglinge sind wandlungsfähig und nun auch im Endgame zu gebrauchen Wer es da lieber billig und in Massen liebt, wird die Zerg schnell
ins Herz schließen. Die fiese Schleimbrut hat gerade für die
rassentypischen Zerglinge wesentlich mehr Upgrades im Genpool
anzubieten. So können die fiesen kleinen Springer dank Upgrades nicht
nur rasend schnell übers Spielfeld huschen, sondern sich neuerdings
auch in selbstmörderische "Banelings" wandeln. Wird so ein rollender
grüner Säureball geschickt in die gegnerische Armee bugsiert, kann er
für vergleichsweise kleines Geld verheerende Schäden anrichten. Gute
Ideen wie diese machen die vergleichsweise billigen Zerginge auch im
späteren Spiel noch interessant für fiese Überraschungsangriffe.
Generell wurde diese "fiese" Spielweise bei den Zerg stark
ausgebaut. Der beschleunigende "Kriecher" (Creep) kann dank
reproduzierbarem Tumor und den verbessertem Overlords nun wesentlich
flexibler quasi gratis über das Spielfeld verteilt werden. Unbedachte
Zerg-Gegner finden damit schneller einen Zerg-Nyduskanal (Tunnel) in
ihrer Basis, als sie lauthals "Bugs!" schreien können. Die neue
Zerg-Königin ist dank guter Defensivfähigkeiten nicht nur ein guter
Schutz für jede vorgeschobene Basis, sondern dient auch gleichzeitig
als Katalysator für die wichtige Larvenproduktion. Dank dieser
Kombination können Zerg schneller als jede andere Rasse aus Massen von
Larven eine Gewaltige Menge an Einheiten ausheben um binnen Sekunden
auf Bedrohungen reagieren.
Wer sich daran stört, dass die Zerg über viele vergleichsweise
fragile Einheiten verfügen, kann sich mittels Infestor einfach die
teuren Einheiten des Gegners zeitweise klauen oder diese mit
Sonderfähigkeiten schwächen, verlangsamen oder vergiften. Quasi jede
der neuen Zergeinheiten bietet eine "fiese" Nebenfunktion, die Euch
- klug eingesetzt - einen spürbaren Vorteil verschaffen
kann. Wer das Micromanagement von vielen Einheiten beherrscht, liegt bei den Zerg absolut richtig.
Casuals nicht erwünscht?
Neben allem Positivem stieß allerdings ein nicht so schöner Eindruck
in der Beta überdeutlich hervor: wer bei Starcraft 2 neu anfängt,
braucht ein extrem dickes Fell und den Willen zu Üben. Das Spiel wurde
wesentlich mehr auf Tempo und taktische Tiefe getrimmt, als es der 10
Jahre alte Vorgänger seinerzeit anbot. Bereits im Betastadium des
Spiels verfügen alle drei Rassen über eine gute Spielbalance, die
extrem viele taktische Finessen erlaubt. Allerdings wollen alle
Einheiten und die Ökonomie im Spiel regelrecht gebabysittet werden. Ihr
wollt komplexe Formationen und vollautomatische Routenfindung,
zusätzliche Statusfenster oder eine festlegbare KI-Reaktion auf
Feindfeuer? All diese Feinheiten kennt Starcraft 2 nicht! Stattdessen
zeigt sich der Titel extrem sturköpfig und fordert, dass man seinen Gegner
ständig ausspioniert und entsprechend schnell reagiert.
Kontrolle und Übersicht bedeutet in Starcraft 2 alles. Wer bei dem
hohen Spieltempo auch nur für Momente auf die falsche Stelle der Karte
schaut oder die falschen Einheiten produziert, steht binnen Sekunden mit leeren Händen da. Starcraft 2 kann damit
zu Recht als der "Shooter unter den Echtzeittiteln" betrachtet werden
was gerade für Multiplayer-Einsteiger viel Frustpotential
bedeutet.
 Zwiespalt - Das neue Battle.net wird die Gemüter erhitzen Zusätzlicher Wehrmutstropfen: bereits in den gewerteten
Anfangsspielen der Battle.net Ranking-Ladder tummeln sich extrem viele
gute Spieler, welche die ersten zarten Gehversuche im Spiel schnell in
harten Frust wandeln. Wer sich hier aber durchbeißt, wird mit einem
Erfolgsgefühl belohnt, welches kaum ein anderer Echtzeit-Titel
anbietet. Viele dieser Kritikpunkte sind zudem relativ zu sehen, denn
das Feld der guten und schlechten Strategen dürfte sich mit dem
Erscheinen des Spiels dank der größeren Spielerzahl wesentlich breiter
fächern.
Wer trotzdem weiter verliert, kann dank der stark verbesserten
Replay-Funktion immer den eigenen Fehler analysieren und dem stärkeren
Gegner beim Zaubern zusehen. Erste semi-professionelle Youtube-Kanäle
bieten dank der Replay-Funktion bereits jetzt hochqualitative
Kommentare mit taktischen Erläuterungen an. An einer solchen Hingabe
merkt man deutlich, wie viel Sogwirkung dieses Spiel schon jetzt auf die Fans ausübt.
Alles in Allem bot die Starcraft 2 Beta einen überraschend reifen
Eindruck von den kommenden Features. Bereits in der Beta war die Fangemeinde
zu diesem Spiel riesig, was sich in zahllosen Balance-Patches und an der gewaltigen Anzahl an
verfügbaren (und spaßigen) Fanmodifikationen und widerspiegelt - dem
mächtigen Leveleditor sei dank. Kaum ein Spiel kann sich bereits in der
Betaphase einer solchen Qualität rühmen, und die breite Unterstützung
seitens der Fans trägt diesem Umstand mehr als deutlich Rechnung. Somit
ist Starcraft 2 ein Titel, der zwar viele neue Spieler verschrecken,
doch gerade die treuen Fans dank seiner subtilen Neuerungen erneut für
Jahre in den Bann ziehen wird.
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