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 Sherlock Holmes Guy Ritchie (Snatch - Schweine und Diamanten, RocknRolla) traut sich mit Sherlock Holmes an ein wahres Urgestein der Literatur heran.
Auch wenn sich der Film an der literarischen Figur anlehnt, trägt er dennoch die unverkennbare Handschrift des Kultregisseurs. Düster, brachial und voll mit schwarzem Humor entfaltet sich die Story rund um ein ungleiches Ermittlerduo.
Kann ein solch gewagter Neuanfang im Kino funktionieren?
Wer im neuen Sherlock Holmes überraschende Wendungen in der Handlung
erwartet, wird aller Voraussicht nach enttäuscht. Dieser Film behandelt
- ganz klassisch und linear - alle "Doyle'schen" Facetten einer
Kriminalgeschichte. So beginnt auch diese Geschichte rund um den
Detektiv im London des frühen 19. Jahrhunderts. Dort begeht der düstere
"Lord Blackwood" zahlreiche rituelle Morde, die durch ihren
übernatürlichen Beiklang sowohl Polizei als auch die Öffentlichkeit in
Panik versetzen. Auch als es dem Meisterdetektiv Holmes und seinem
Gefährten Watson gleich zu Beginn des Films gelingt, Blackwood zu
fassen, scheint die Mordserie in dessen Namen nicht abzureißen.  Sitzt Holmes im Nacken - Lord Blackwood (Mark Strong) Und als
wäre diese unnatürliche Herausforderung nicht genug, erschweren
politische Hintergründe, Korruption und Intrigen zusätzlich die Lösung
des Falles. Der Wissenschaftler Holmes droht schon beinahe an der
Herausforderung zu zerbrechen, wäre da nicht sein treuer Gefährte Dr.
Watson.
Wer die ersten Szenen des neuen Sherlock Holmes auf sich wirken
lässt, merkt schnell, dass sich Guy Ritchie sehr große Freiheiten bei
der Interpretation herausgenommen hat. Als sich Autor Arthur Conan
Doyle 1887 die Figur des Sherlock Holmes erdachte, hatte er natürlich
auch die englischen stereotype im Hinterkopf: stets korrekt kommt
Sherlock in zahlreichen Neuauflagen daher, dazu höflich, berechnend,
aber auch sehr steif und in seinen Methoden streng wissenschaftlich.
Könnte sich Sir Arthur Conan Doyle sich nun Guy Ritchie's neustes
Machwerk ansehen, würde er wohl im Grabe rotieren. Doch was 1887 einmal
war, ist Vergangenheit - und ginge es nach Doyle, müsste der alte
Sherlock Holmes so oder so bereits gestorben sein.
 Eine Geschichte voller Miss-verständnisse - Sherlocks Romanze mit Rachel McAdams (Irene Adler) Doch von welcher Seite zeigt sich der neue Holmes nun? Auf jeden
Fall ist dieser Film auf unsere Zeit zugeschnitten: ein hohes
Erzähltempo, schnelle Schnitte und sehr einprägsame Charaktere sind ein
Markenzeichen von Guy Ritchie. Das London der alten Tage wird sehr
authentisch in Szene gesetzt. Auf der einen Seite steht das moderne
England der damaligen Tage. Die Reichen stellen den Prunk zur Schau,
der wirtschaftliche Aufschwung und die stetige Expansion des "British
Kingdom" sind allerorten erkennbar. Doch unter dieser Fassade zeigt
sich auch die andere Seite Englands: schmutzig, arm, gewalttätig
scheint der Alltag - ein idealer Schauplatz für Mord und Intrigen.
Die Figur des Sherlock (brillant gespielt von Robert Downey Jr.)
passt sehr gut in diese Kulisse. Auf der Oberfläche erkennt man den
Detektiv ähnlich der Romanvorlage: selbstbewusst, grenzgenial,
stellenweise sogar überheblich. Und genau hier setzt Regisseur Ritchie
an - zeigt uns andere Seiten des Charakters. Der neue Holmes ist
regelrecht schmutzig, ja sogar in sich gekehrt und hat deswegen ernste
Probleme mit dem anderen Geschlecht. In der Dunkelheit seiner Wohnung
geht er tagelang seinen wirren Gedankengängen nach - eine Figur fernab
des altbekannten Helden.
 Der Scharfblick Sherlocks kommt erst durch Watson zu Tage Da ist es natürlich gut, dass Holmes mit Dr. Watson (Jude Law) einen
starken Gefährten an seiner Seite weiß. An der Figur des Watson wird
der Guy Ritchie's Bruch mit der literarischen Vorgabe mehr als
deutlich. In der alten Vorgabe noch eher als "Sidekick" degradiert,
diente er durch seine Fehler eher als Bezugspunkt um die Größe und
Genialität des Detektivs noch weiter hervorzuheben. Hier jedoch wird
Dr. Watson zum mehr als ebenbürtigen Partner promoviert: nobler,
sauberer ja schon beinahe besser kommt er im neuen Film herüber als der
Kollege in der eigentlichen Hauptrolle. Zwar löst Sherlock Holmes auch
in diesem Film die meisten Rätsel im Alleingang, doch stets ist es der
Rückhalt seines starken Partners, der Ihn zurück auf die Spur bringt.
Der Begriff "helfende Hand" ist in diesem Zusammenhang durchaus
wörtlich zu nehmen, denn nicht nur die scharfzüngige Dialoge zwischen
Holmes und Watson tragen deutlich die Handschrift des Regisseurs,
sondern auch die zünftigen Keilereien.
 Düster, Schmutzig, Brachial - der neue Sherlock langt auch gerne mal zu Stichwort Action: da ein 130-minütiger Film relativ langatmig wäre,
lockern zahlreiche Actionszenen die Handlung auf. Da prügelt sich ein
schmutziger Holmes in brachialer Slow-Motion mit einem bulligen Iren im
Grubenkampf, plant aber gleichzeitig nüchtern und berechnend die
nächsten Verletzungen an seinem Gegner. In ähnlich einprägsamen Szenen
werden ganze Docks in die Luft gesprengt, was die Macher des Films -
ebenfalls in betonter Langsamkeit - visuell regelrecht zelebrieren.
Doch alle diese Actionszenen haben eins gemeinsam: Sie sind einprägsam,
gut platziert und wirken zu keiner Zeit füllig oder überbordend. Stets
besinnt sich dieser Film auf die eigentlichen Werte, bei der es bei
einer Detektivgeschichte ankommt: viele logische Schlussfolgerungen und
einem zu Ende gebrachten Fall.
Somit wird man über die lange Spieldauer des Films nicht nur gut
unterhalten, sondern fühlt mit den gut gespielten Figuren regelrecht
mit. Guy Ritchie hat es nicht nur geschafft, die Materie rund um
"Sherlock Holmes" neu zu beleben - er hat sogar eine sehr originelle
Arbeit abgeliefert. Dank einem passenden Soundtrack aus der Feder von
Hans Zimmer (Gladiator, Last Samurai) und einem überzeugenden
Bühnenbild entstand mit "Sherlock Holmes" die gelungene
Neuinterpretation eines mehr als angestaubten Klassikers. Da passt es
natürlich gut, dass dieser Kriminalfall mit einem offenen Ende
"abgeschlossen" wird. Das (noch nicht näher benannte) Sequel ist
bereits für 2011 in Aussicht gestellt. Sehr gut, alter Knabe!
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