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 Demon's Souls Quicksave, Extraleben, Savepoints, Autoguides und üppige HP-Balken.
Heutige Spiele entmündigen den Spieler regelrecht. Die Devise lautet: "Nur nicht anstrengen". Warum auch? Einfaches Buttondrücken und Wiimote-Schütteln führt doch auch ans Ziel. Nur zu gerne steuern wir strahlende Helden durch kunterbunte Landschaften. Und das Happy-End sollte doch bitte ohne allzu große Anstrengung erreicht werden.
Nein? Nun, wer so denkt, sollte sich Demon's Souls sehr genau anschauen!
Hier gleich eine Warnung vorab: Wer keine schweren Spiele mag,
sollte um Demon's Souls (wie auch diesem Review) einen großen Bogen
machen. Ebenso ist dieses Spiel nichts für Leute, die strahlende
Fantasy aus der "Herr der Ringe" Kategorie bevorzugen, denn dieser
Vertreter sei am besten mit "sehr sehr düster" umschrieben.
Demon's Souls führt uns in ein von Nebeln vollständig umschlossenes
Fantasy-Reich namens Boletaria. Dort dreht sich alles nur noch um die
Kraft der menschlichen Seele. Die ist - der Name des Spiels deutet es
an - nicht nur Inhalt allen Lebens, sondern bedeutet auch Macht und
Reichtum für ihren Besitzer. In Demon's Souls sind diese Seelen somit
auch eine Währung, die Ihr im Laufe des Spiels auf verschiedene Art und
Weise einsammelt. Von den besagten "Reichtümern" konnte auch der König
Boletarias nicht genug bekommen. Als er als erster begann, Seelen
anderer Wesen für sich zu beanspruchen, weckte er einen Dämonen - "The
Old One" genannt - und besiegelte damit den stetigen Zerfall seines
Reiches. Jetzt ist das Land im Nebel versunken und von seelenlosen
Dämonen bevölkert. Hungernd trachten sie jedem Eindringling nach seinem
wertvollsten Besitz. Wer sich in den Nebel Boletarias hinein wagte, kam
nie wieder heraus - bis schließlich Ihr als namenloser Held den
Schauplatz betretet. Ob Ihr Boletaria nun rettet oder ins Verderben
stürzt liegt ganz an Euch.
Strahlende Helden? Nicht mit uns!
 Selbst durch Magie erhellt ist die Welt extrem düster Damit hat es sich aber auch schon mit allen Klischees, die in
Demon's Souls bedient werden. Auch wenn ihr im Spiel eine rettende
Seele verkörpert, wird hier niemals das Gefühl von Macht aufgebaut, wie
man es aus anderen Fantasyspielen vielleicht gewohnt ist. Wo andere
Protagonisten mit riesigen Schwertern hantieren und mit brachialen
Effekten die Gegnermassen lichten, setzt dieser Titel auf Stille und
Unscheinbarkeit. In Demon's Souls ist man kein strahlender Held,
sondern eben nur das, was man auf dem Bildschirm seht - ein Mensch -
und als solcher verfügt man über eine entsprechend niedrige Toleranz
gegenüber Prankenhieben und Stichverletzungen.
Wer also im Stile von Devil May Cry sofort drauflos stürmt, wird
schnell seine böse Überraschung erleben. Bereits im Tutorial bekommt
man beigebracht, das vorsichtiges Vorgehen in Demon's Souls an der
Tagesordnung ist. Schon die ersten Gegner verfügen über starke
Attacken, die flott den halben HP-Balken leeren. Wer nicht zurückweicht
oder im richtigen Moment mit dem Schild blockt, küsst nach 1-2 Treffern
bereits den Boden. Ihr versteckt Euch gerne hinter großen Rüstungen?
Demon's Souls kontert mit einer Ausdauer-Anzeige, die bei entsprechend
schwerem Equipment zügig sinkt. Blocken, Ausweichen, Zuschlagen - all
dies erfordert einen steten Wechsel aus Ruhe und Aktion. Wer zu
brachial vorgeht und mit dem dicken Schwert ein Mal zu oft zuschlägt,
hat nicht mehr genug Ausdauer zum Blocken eines Konters und - man errät
es schon - beißt sofort ins virtuelle Gras. In diesem Spiel ist der Tod
jedoch nicht nur das Ende, sondern immer auch ein Neuanfang - und somit
verwundert es auch nicht groß, dass man bereits im Tutorial von Demon's
Souls zwangsläufig stirbt. Denn dieses Spiel geht mit dem eigenen Tod
erst richtig los - im so genannten Nexus.
Der Tod steht ihm gut
Jedes bessere Spiel bietet sie: Checkpoints und Speicherpunkte - die
bequeme Sicherheit gegen jedes Scheitern und willkommene
Rückversicherung für jeden Mangel an Vorsicht. Wer sich an großen
Bossen einmal die Zähne ausbeißt, kann es spätestens nach 10 Min. noch
einmal versuchen.
 Der Nexus - Anfang und Ende Eurer Reise Nicht so in Demon's Souls! Einziger Checkpoint im eigentlichen
Sinne ist hier schlicht der "Nexus". Egal ob bis zum nächsten Spieltod
10 Min oder 2h vergangen sind - der Nexus ist Rücksetzpunkt und zudem
die einzig sichere Zufluchtsstätte. Hier kauft Ihr für die Seelen
erlegter (und gefallener) Gegner Ausrüstung und Attribute für Euren
Charakter. Hier interagiert Ihr mit den wenigen lebenden NPCs im Spiel.
Hier beendet und beginnt Ihr Euer Erlebnis nach jedem Start der PS3
aufs Neue.
Und was ist mit Zwischenspeichern? Extraleben? Nichts dergleichen.
Demon's Souls gewährt Euch nicht einmal einen Pausemodus, denn selbst
im Ausrüstungsmenü läuft das Spiel normal weiter. Dabei bedeutet eine
gute Vorbereitung in diesem Spiel alles, denn nicht jedes dicke
Schuppenkleid ist für das gerade angelegte Breitschwert empfänglich.
Wer einem turmhohen Dämonen falsch gerüstet entgegen tritt, findet sich
folglich ziemlich schnell im Nexus wieder - und zwar als Geist. Alle
bislang hart erkämpften Seelen liegen dann an der Stelle des letzten
Ablebens zurück. Den Weg dorthin muss man sich durch alle bisher
erlegten Gegner erneut freikämpfen - in schwächerer Geistform und mit
halber Lebensenergie. Stirbt man als Geist erneut, sind die Seelen
komplett verloren. Das Spiel zwingt uns somit in den ständigen Spagat
zwischen neugierigem Forscherdrang und sicherer Geborgenheit des Nexus.
Das kann frustrierend sein, jedoch im Falle eines gefundenen Schatzes
auch unheimlich belohnend.
Im Gegensatz zur eigenen Position im Spiel wird der Ausrüstungsstand
permanent vom Spiel gespeichert. Wer also einen wertvollen Zweihänder
findet und kurz darauf stirbt, darf auch als Geist auf den Fund
zurückgreifen - sofern es die Statuswerte erlauben. Lange Laufwege
werden zudem durch geschickt platzierte Abkürzungen umgangen. Wer also
zu Lebzeiten eine Zugbrücke herunterlässt und danach stirbt, kann auch
als Geist auf die kürzere Route zurückgreifen und so seine Seelen
schneller zurückerlangen.
Manchmal jedoch stellt Demon's Souls den Spieler vor scheinbar
unüberwindbare Hindernisse. Und anstelle von Trial-and-Error kommt hier
eine extrem ausgeklügelte Online-Mechanik zum Einsatz.
Gemeinsam sind wir stark
Währen der Spieleinsteig noch linear abläuft und für geübte Spieler
vergleichsweise einfach zu bewältigen ist, erwartet uns schon nach dem
ersten (und sehr einfachen) Boss eine Nachricht. Eine rote Rune am
Boden weist uns mit einer Meldung darauf hin: "True Demon's Souls
starts here!". Eindringliche Nachrichten wie diese weisen den Spieler
darauf hin, dass dieses Spiel auf gegenseitige Hilfe seitens der
Spielergemeinschaft aufbaut. Solange die heimische PS3 online ist,
finden sich überall in Boletaria solche hinterlassenen Nachrichten.
Diese bestehen aus einem festen Wortschatz, was nicht nur dem
Missbrauch vorbeugt, sondern gleichzeitig die Spielatmosphäre konstant
aufrecht erhält. Jeder Spieler kann solche Nachrichten hinterlassen und
so vor Gefahren warnen und auf Schätze hinweisen. Das fördert den
Gemeinsinn, kann aber natürlich auch für Schabernack genutzt werden.
Wer blind einem Hinweis vertraut und sich in eine dunkle Grube stürzt,
kann sich schnell im Nexus wieder finden. Um solche unfairen Elemente
auszuschließen, können Spieler gezielt sinnvolle Hilfestellungen
empfehlen und schlechte verbannen.
 Solchen Brocken müsst Ihr euch nicht zwangsläufig alleine stellen Doch trotz seiner Onlineanbindung ist Demon's Souls bei weitem kein
reiner Coop- oder gar Multiplayer-Titel. Andere Spieler wandern nur als
geisterhafte Schemen sichtbar durch die eigene Welt, spielen jedoch ihr
eigenes Spiel. Lediglich permanente Blutflecke am Boden künden vom
Ableben eines anderen Spielers. Wer sie berührt, sieht dessen Geist
wenige Sekunden vor seinem unrühmlichen Ableben, jedoch nie den
eigentlichen Grund dafür. Das kann hilfreich sein, aber zeitgleich auch
unheimlich einschüchternd - und bedeutet in jedem Falle großartige
Atmosphäre in Reinform.
Hilf mir doch ma ... Argh!
Doch damit haben sich die Interaktionsmöglichkeiten von Demon's
Souls bei weitem noch nicht erschöpft. Per blauem Seelenstein können
bieten wir gezielt anderen Spielern unsere tatkräftige Hilfe an. Gehen
die darauf ein, sind wir als hilfreicher Geist aktiv in ihrem Spiel
beteiligt. Helfen wir in dieser Form anderen (vom Spiel zufällig
bestimmten) Spielern beim Besiegen eines Boss-Dämons, erhalten wir
nicht nur wertvolle Seelen für das eigene Konto gutgeschrieben, sondern
gleichzeitig auch unseren greifbaren Körper zurück. Oftmals ist das
Besiegen von Bossen die einzige Möglichkeit, die schwächere Geistform
jemals zu verlassen. Wer also anderen Hilft, hat sprichwörtlich mehr
vom Leben.
Umgekehrt kann man jedoch auch den roten Stein benutzen, um selbst
als Dämon in die Welt eines anderen Spielers einzudringen. Der bekommt
eine entsprechende Warnung und hat die Möglichkeit, sich dem
Eindringling entweder zu stellen oder diesen mit einem magischen Stein
(ohne Strafe) zu verbannen. Da der "Spielerdämon" nicht von den
normalen KI-Gegnern angegriffen wird, ergeben sich extrem fiese
Möglichkeiten zum Hinterhalt im Dunkeln. Der Sieger des Duells entzieht
dem Gegner einen Seelenlevel - das Demon's Souls Äquivalent zu einem
normalen Charakterlevel. Da gerade solche Attributsteigerungen im
späteren Spielverlauf extrem viele Seelen kosten, sind diese
risikoreichen Duelle lohnend und extrem Adrenalinfördernd.
Fazit
 Was darfs sein? Geröstet oder gefressen? Demon's Souls ist ein sehr spezielles und forderndes Spiel, das wohl
auch aus diesen Gründen nicht in Europa erschienen ist - "zu
Inkompatibel zur Masse" würde der Urteilsspruch hier lauten. Wer sich
auf den Import einlässt, erhält einen der interessantesten
PS3-Exklusivtitel der letzten Jahre. Dieses Spiel zwingt dem Spieler
seine unerbittliche Spielmechanik auf - bleibt in seiner Mechanik aber
stets fair. Wer sich nicht auf den erzwungenen vorsichtigen Spielstil
einlässt wird sterben und zwangsläufig Frust aufbauen - oft und viel.
Doch gerade diese Angst um das eigene Bildschirmleben lässt jeden
besiegten Gegner zum einmaligen Erfolgserlebnis werden. Noch nie war es
spannender, sich in dunkle Verliese vorzuwagen und jeder kleine
Fortschritt wirkt wie eine gewaltige Errungenschaft.
Grafik und Sound sind als "zweckmäßig" einzustufen. Die Kulisse
wirkt manchmal etwas trist und detailarm und die Framerate geht hin und
wieder in die Knie. Da das Setting eh durchweg düster daherkommt,
stören diese kleineren Grafikpatzer nicht wirklich. Musik im
eigentlichen Sinne ist in diesem Spiel so gut wie nie zu hören. Doch
gerade diese spärlich eingesetzten Sound-Akzente kommen gerade wegen
der düsteren Kulisse wunderbar zur Geltung und sorgen für echte
Gänsehaut. Demon's Souls ist ein Pflichtkauf für jeden Spieler, der von
den Fast-Food Titeln und dem Casual-Schrott der letzten Jahre genug
gesehen hat - ein fremdländischer Gourmethappen für Spieler mit einem
ganz speziellem Geschmack.
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Pro
+ Extrem tiefes Spielgefühl
+ Fordernde Mechanik
+ Angst und Erfolg nahe beieinander
+ Stimmige Spielwelt
+ Viele frische Ideen
+ Intelligente Onlinemodi
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Contra
- Vorprogrammierte Frustmomente
- Kleinere Grafikruckler
- Teils veraltet wirkende Technik
- Für Anfänger sehr wenige Einstiegshilfen
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