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[PS3] Demon's Souls
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Geschrieben von Feanarth

Demon
Demon's Souls
Quicksave, Extraleben, Savepoints, Autoguides und üppige HP-Balken.

Heutige Spiele entmündigen den Spieler regelrecht. Die Devise lautet: "Nur nicht anstrengen". Warum auch? Einfaches Buttondrücken und Wiimote-Schütteln führt doch auch ans Ziel. Nur zu gerne steuern wir strahlende Helden durch kunterbunte Landschaften. Und das Happy-End sollte doch bitte ohne allzu große Anstrengung erreicht werden.

Nein? Nun, wer so denkt, sollte sich Demon's Souls sehr genau anschauen!

Hier gleich eine Warnung vorab: Wer keine schweren Spiele mag, sollte um Demon's Souls (wie auch diesem Review) einen großen Bogen machen. Ebenso ist dieses Spiel nichts für Leute, die strahlende Fantasy aus der "Herr der Ringe" Kategorie bevorzugen, denn dieser Vertreter sei am besten mit "sehr sehr düster" umschrieben.

Demon's Souls führt uns in ein von Nebeln vollständig umschlossenes Fantasy-Reich namens Boletaria. Dort dreht sich alles nur noch um die Kraft der menschlichen Seele. Die ist - der Name des Spiels deutet es an - nicht nur Inhalt allen Lebens, sondern bedeutet auch Macht und Reichtum für ihren Besitzer. In Demon's Souls sind diese Seelen somit auch eine Währung, die Ihr im Laufe des Spiels auf verschiedene Art und Weise einsammelt. Von den besagten "Reichtümern" konnte auch der König Boletarias nicht genug bekommen. Als er als erster begann, Seelen anderer Wesen für sich zu beanspruchen,  weckte er einen Dämonen - "The Old One" genannt - und besiegelte damit den stetigen Zerfall seines Reiches. Jetzt ist das Land im Nebel versunken und von seelenlosen Dämonen bevölkert. Hungernd trachten sie jedem Eindringling nach seinem wertvollsten Besitz. Wer sich in den Nebel Boletarias hinein wagte, kam nie wieder heraus - bis schließlich Ihr als namenloser Held den Schauplatz betretet. Ob Ihr Boletaria nun rettet oder ins Verderben stürzt liegt ganz an Euch.

Strahlende Helden? Nicht mit uns!

Selbst durch Magie erhellt ist die Welt extrem düster
Selbst durch Magie erhellt ist die Welt extrem düster
Damit hat es sich aber auch schon mit allen Klischees, die in Demon's Souls bedient werden. Auch wenn ihr im Spiel eine rettende Seele verkörpert, wird hier niemals das Gefühl von Macht aufgebaut, wie man es aus anderen Fantasyspielen vielleicht gewohnt ist. Wo andere Protagonisten mit riesigen Schwertern hantieren und mit brachialen Effekten die Gegnermassen lichten, setzt dieser Titel auf Stille und Unscheinbarkeit. In Demon's Souls ist man kein strahlender Held, sondern eben nur das, was man auf dem Bildschirm seht - ein Mensch - und als solcher verfügt man über eine entsprechend niedrige Toleranz gegenüber Prankenhieben und Stichverletzungen.

Wer also im Stile von Devil May Cry sofort drauflos stürmt, wird schnell seine böse Überraschung erleben. Bereits im Tutorial bekommt man beigebracht, das vorsichtiges Vorgehen in Demon's Souls an der Tagesordnung ist. Schon  die ersten Gegner verfügen über starke Attacken, die flott den halben HP-Balken leeren. Wer nicht zurückweicht oder im richtigen Moment mit dem Schild blockt, küsst nach 1-2 Treffern bereits den Boden. Ihr versteckt Euch gerne hinter großen Rüstungen? Demon's Souls kontert mit einer Ausdauer-Anzeige, die bei entsprechend schwerem Equipment zügig sinkt. Blocken, Ausweichen, Zuschlagen - all dies erfordert einen steten Wechsel aus Ruhe und Aktion. Wer zu brachial vorgeht und mit dem dicken Schwert ein Mal zu oft zuschlägt, hat nicht mehr genug Ausdauer zum Blocken eines Konters und - man errät es schon - beißt sofort ins virtuelle Gras. In diesem Spiel ist der Tod jedoch nicht nur das Ende, sondern immer auch ein Neuanfang - und somit verwundert es auch nicht groß, dass man bereits im Tutorial von Demon's Souls zwangsläufig stirbt. Denn dieses Spiel geht mit dem eigenen Tod erst richtig los - im so genannten Nexus.

Der Tod steht ihm gut

Jedes bessere Spiel bietet sie: Checkpoints und Speicherpunkte - die bequeme Sicherheit gegen jedes Scheitern und willkommene Rückversicherung für jeden Mangel an Vorsicht. Wer sich an großen Bossen einmal die Zähne ausbeißt, kann es spätestens nach 10 Min. noch einmal versuchen.

Der Nexus - Anfang und Ende Eurer Reise
Der Nexus - Anfang und Ende Eurer Reise
Nicht so in Demon's Souls!  Einziger Checkpoint im eigentlichen Sinne ist hier schlicht der "Nexus". Egal ob bis zum nächsten Spieltod 10 Min oder 2h vergangen sind -  der Nexus ist Rücksetzpunkt und zudem die einzig sichere Zufluchtsstätte. Hier kauft Ihr für die Seelen erlegter (und gefallener) Gegner Ausrüstung und Attribute für Euren Charakter. Hier interagiert Ihr mit den wenigen lebenden NPCs im Spiel. Hier beendet und beginnt Ihr Euer Erlebnis nach jedem Start der PS3 aufs Neue.

Und was ist mit Zwischenspeichern? Extraleben? Nichts dergleichen. Demon's Souls gewährt Euch nicht einmal einen Pausemodus, denn selbst im Ausrüstungsmenü läuft das Spiel normal weiter. Dabei bedeutet eine gute Vorbereitung in diesem Spiel alles, denn nicht jedes dicke Schuppenkleid ist für das gerade angelegte Breitschwert empfänglich. Wer einem turmhohen Dämonen falsch gerüstet entgegen tritt, findet sich folglich ziemlich schnell im Nexus wieder - und zwar als Geist. Alle bislang hart erkämpften Seelen liegen dann an der Stelle des letzten Ablebens zurück. Den Weg dorthin muss man sich durch alle bisher erlegten Gegner erneut freikämpfen - in schwächerer Geistform und mit halber Lebensenergie. Stirbt man als Geist erneut, sind die Seelen komplett verloren. Das Spiel zwingt uns somit in den ständigen Spagat zwischen neugierigem Forscherdrang und sicherer Geborgenheit des Nexus. Das kann frustrierend sein, jedoch im Falle eines gefundenen Schatzes auch unheimlich belohnend.

Im Gegensatz zur eigenen Position im Spiel wird der Ausrüstungsstand permanent vom Spiel gespeichert. Wer also einen wertvollen Zweihänder findet und kurz darauf stirbt, darf auch als Geist auf den Fund zurückgreifen - sofern es die Statuswerte erlauben. Lange Laufwege werden zudem durch geschickt platzierte Abkürzungen umgangen. Wer also zu Lebzeiten eine Zugbrücke herunterlässt und danach stirbt, kann auch als Geist auf die kürzere Route zurückgreifen und so seine Seelen schneller zurückerlangen.

Manchmal jedoch stellt Demon's Souls den Spieler vor scheinbar unüberwindbare Hindernisse. Und anstelle von Trial-and-Error kommt hier eine extrem ausgeklügelte Online-Mechanik zum Einsatz.

Gemeinsam sind wir stark

Währen der Spieleinsteig noch linear abläuft und für geübte Spieler vergleichsweise einfach zu bewältigen ist, erwartet uns schon nach dem ersten (und sehr einfachen) Boss eine Nachricht. Eine rote Rune am Boden weist uns mit einer Meldung darauf hin: "True Demon's Souls starts here!". Eindringliche Nachrichten wie diese weisen den Spieler darauf hin, dass dieses Spiel auf gegenseitige Hilfe seitens der Spielergemeinschaft aufbaut. Solange die heimische PS3 online ist, finden sich überall in Boletaria solche hinterlassenen Nachrichten. Diese bestehen aus einem festen Wortschatz, was nicht nur dem Missbrauch vorbeugt, sondern gleichzeitig die Spielatmosphäre konstant aufrecht erhält. Jeder Spieler kann solche Nachrichten hinterlassen und so vor Gefahren warnen und auf Schätze hinweisen. Das fördert den Gemeinsinn, kann aber natürlich auch für Schabernack genutzt werden. Wer blind einem Hinweis vertraut und sich in eine dunkle Grube stürzt, kann sich schnell im Nexus wieder finden. Um solche unfairen Elemente auszuschließen, können Spieler gezielt sinnvolle Hilfestellungen empfehlen und schlechte verbannen.

Solchen Brocken müsst Ihr euch nicht zwangsläufig alleine stellen
Solchen Brocken müsst Ihr euch nicht zwangsläufig alleine stellen
Doch trotz seiner Onlineanbindung ist Demon's Souls bei weitem kein reiner Coop- oder gar Multiplayer-Titel. Andere Spieler wandern nur als geisterhafte Schemen sichtbar durch die eigene Welt, spielen jedoch ihr eigenes Spiel. Lediglich permanente Blutflecke am Boden künden vom Ableben eines anderen Spielers. Wer sie berührt, sieht dessen Geist wenige Sekunden vor seinem unrühmlichen Ableben, jedoch nie den eigentlichen Grund dafür. Das kann hilfreich sein, aber zeitgleich auch unheimlich einschüchternd - und bedeutet in jedem Falle großartige Atmosphäre in Reinform.

Hilf mir doch ma ... Argh!

Doch damit haben sich die Interaktionsmöglichkeiten von Demon's Souls bei weitem noch nicht erschöpft. Per blauem Seelenstein können bieten wir gezielt anderen Spielern unsere tatkräftige Hilfe an. Gehen die darauf ein, sind wir als hilfreicher Geist aktiv in ihrem Spiel beteiligt. Helfen wir in dieser Form anderen (vom Spiel zufällig bestimmten) Spielern beim Besiegen eines Boss-Dämons, erhalten wir nicht nur wertvolle Seelen für das eigene Konto gutgeschrieben, sondern gleichzeitig auch unseren greifbaren Körper zurück. Oftmals ist das Besiegen von Bossen die einzige Möglichkeit, die schwächere Geistform jemals zu verlassen. Wer also anderen Hilft, hat sprichwörtlich mehr vom Leben.

Umgekehrt kann man jedoch auch den roten Stein benutzen, um selbst als Dämon in die Welt eines anderen Spielers einzudringen. Der bekommt eine entsprechende Warnung und hat die Möglichkeit, sich dem Eindringling entweder zu stellen oder diesen mit einem magischen Stein (ohne Strafe) zu verbannen. Da der "Spielerdämon" nicht von den normalen KI-Gegnern angegriffen wird, ergeben sich extrem fiese Möglichkeiten zum Hinterhalt im Dunkeln. Der Sieger des Duells entzieht dem Gegner einen Seelenlevel - das Demon's Souls Äquivalent zu einem normalen Charakterlevel. Da gerade solche Attributsteigerungen im späteren Spielverlauf extrem viele Seelen kosten, sind diese risikoreichen Duelle lohnend und extrem Adrenalinfördernd.

Fazit

Was darfs sein? Geröstet oder gefressen?
Was darfs sein? Geröstet oder gefressen?
Demon's Souls ist ein sehr spezielles und forderndes Spiel, das wohl auch aus diesen Gründen nicht in Europa erschienen ist - "zu Inkompatibel zur Masse" würde der Urteilsspruch hier lauten. Wer sich auf den Import einlässt, erhält einen der interessantesten PS3-Exklusivtitel der letzten Jahre. Dieses Spiel zwingt dem Spieler seine unerbittliche Spielmechanik auf - bleibt in seiner Mechanik aber stets fair. Wer sich nicht auf den erzwungenen vorsichtigen Spielstil einlässt wird sterben und zwangsläufig Frust aufbauen  - oft und viel. Doch gerade diese Angst um das eigene Bildschirmleben lässt jeden besiegten Gegner zum einmaligen Erfolgserlebnis werden. Noch nie war es spannender, sich in dunkle Verliese vorzuwagen und jeder kleine Fortschritt wirkt wie eine gewaltige Errungenschaft.

Grafik und Sound sind als "zweckmäßig" einzustufen. Die Kulisse wirkt manchmal etwas trist und detailarm und die Framerate geht hin und wieder in die Knie. Da das Setting eh durchweg düster daherkommt, stören diese kleineren Grafikpatzer nicht wirklich. Musik im eigentlichen Sinne ist in diesem Spiel so gut wie nie zu hören.  Doch gerade diese spärlich eingesetzten Sound-Akzente kommen gerade wegen der düsteren Kulisse wunderbar zur Geltung und sorgen für echte Gänsehaut. Demon's Souls ist ein Pflichtkauf für jeden Spieler, der von den Fast-Food Titeln und dem Casual-Schrott der letzten Jahre genug gesehen hat - ein fremdländischer Gourmethappen für Spieler mit einem ganz speziellem Geschmack.

Pro

+ Extrem tiefes Spielgefühl
+ Fordernde Mechanik
+ Angst und Erfolg nahe beieinander
+ Stimmige Spielwelt
+ Viele frische Ideen
+ Intelligente Onlinemodi

 

Contra

- Vorprogrammierte Frustmomente
- Kleinere Grafikruckler
- Teils veraltet wirkende Technik
- Für Anfänger sehr wenige Einstiegshilfen

 

 

 
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