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Ode an den Freudenknüppel
(1 Stimme)
Geschrieben von Feanarth

Joysticks - Zeitzeugen der Spielegeschichte
Joysticks - Zeitzeugen der Spielegeschichte
Willkommen im Land der Tanzmatten und Plastikgitarren, der Skateboards und Buzzerknöpfe, der DJ-Tables und Wiimotes!

Fast jeder Hersteller versucht heutzutage mittels Plastikzubehör die eigenen Spiele am Markt zu platzieren. Dabei mutet es geradezu ironisch an, dass ein wahres Urgestein der Spielkontrolle beinahe schleichend in Vergessenheit geriet.

Richtig geraten - es geht um den Joystick. Der Urvater aller Spielekontrolle!

"Joy-Stick"  - ein wenig komisch klingt dieser Begriff ja schon. Gerade wenn man ihn ins Deutsche übersetzt, lassen sich gewisse primitive Emotionen nicht von der Hand weisen. Dabei ist diese Bezeichnung sogar recht nahe liegend, denn der Moment des Anfassens und Bewegens eines (mehr oder minder ergonomisch geformten) Stück Plastiks bereitet uns Menschen - und dazu zählen auch Spieler - schon immer große Freuden. Manche Vertreter der Gattung "Freudenknüppel" schmiegten sich regelrecht in die Hand ihrer Nutzer und machten den stundenlangen Zock zur wahren Freude. Andere Knüppelarten hingegen waren eher bissiger Natur und daher nur für echte Spieler-Masochisten geeignet. Sie "belohnten" den geneigten Gewaltzocker mit geröteten Handkanten und schmerzenden Sehnen. Dem gesteigerten Bewegungsdrang ihrer Peiniger setzten sie starke Motoren und eine schlechte Verarbeitung entgegen. Auch das hochfrequente Quietschen einiger Modelle erinnerte damals mitunter an Sportarten, die man eher selten im PC-Zimmer vermutet.

Der Competition Pro zählte wohl zu den beliebtesten Joysticks der C64-Ära
Der Competition Pro zählte wohl zu den beliebtesten Joysticks der C64-Ära
Apropos Sport: eine Paradedisziplin für die Plastikknüppel war schon immer die Simulation. Dank dem Joystick steuerten wir digitale Sportler (Summer Games) oder sogar ganze Raumschiffe (Tie Fighter, Descent) und Flugzeuge (Falcon 4.0) zielgenau durch fordernde Levels. Manchmal hatten die Eingaben des Spielers aber nur wenig mit den Aktivitäten auf dem Bildschirm zu tun - man erinnere sich hier nur an das Dauergerüttel und Knopfgehämmer vergangener Zeiten. Da hatte Spielen auch noch wirklich etwas mit körperlicher Betätigung zu tun!

Wer von Klassikern der Spielegeschichte spricht, kommt zwangsläufig zum Commodore 64. Erste Joysticks für diese beliebte Spielermaschine sind mittlerweile über 20 Jahre alt und haben sich den Status "Klassiker" wirklich verdient. Hier wäre besonders der "Competition Pro" zu nennen, der dem harten Rüttel-Alltag damaliger Games mit stoischer Robustheit begegnete. Mit präzisen Mikroschaltern und einer kompromisslosen Ergonomie (der Marke: Stock auf Holzbrett) garantierte der Hersteller die Langlebigkeit des bei Fans sehr beliebten Sticks. Jedoch schlug sich das auch in einem (für damalige Zeiten sehr happigen) Kaufpreis von 40-50 DM nieder, den Fans trotzdem nur zu gerne bezahlten - auch mehrmals. Denn auch dieser robuste Kerl war den brutalen Spielen der "alten Schule" nicht immer gewachsen. Bockschwer und kompromisslos schnell forderten diese Titel sowohl von Spieler als auch Material ihren Tribut. Der Trend ging somit in Richtung Zweit- und Drittjoystick - und zu Lasten des Geldbeutels. Ja, das waren noch Zeiten!

Die Starwars-Simulation TIE-Fighter vermittelte durch einen Joystick gesteuert erst das richtige Spielgefühl
Die Starwars-Simulation TIE-Fighter vermittelte durch einen Joystick gesteuert erst das richtige Spielgefühl

Dieser Trend wandelte sich jedoch schlagartig, als der neue Begriff "Analog" in die Spielewelt Einzug hielt. Urplötzlich wurden den Joysticks ganz neue Töne abverlangt: wo früher brachiale Kräfte sinnlos walteten, war plötzlich präzises Vorgehen gefragt. Mit einem einfachen Hin- und Her war es nicht mehr getan. So einfach wie bisher konnte der Höhepunkt der Spielfreude nicht mehr erreicht werden. Neue Titel kamen auf den Markt und erforschten zaghaft die dritte Dimension des Spielens. Klassiker wie "TIE-Fighter" und "Descent" waren mit einer Maus durchaus spielbar, mit einem Joystick aber erst richtig zu beherrschen. In heißen Multiplayerduellen verschafften einem die besseren Modelle sogar echte Vorteile.

Mit dem erscheinen von Windows sprang auch Microsoft auf den Zug der Joystickhersteller auf und entwickelte sehr ausgereifte Hardware-Produkte - die ironischerweise im krassen Gegensatz zur damaligen Qualität des hauseigenen Betriebssystems standen.

Wohlgeformt - Spielehardware von Microsoft hat schon damals durch Qualität überzeugt
Wohlgeformt - Spielehardware von Microsoft hat schon damals durch Qualität überzeugt
Modelle wie der "Sidewinder Precision Pro" und das "Sidewinder Gamepad" waren für Hände wohlgefällig geformt und zudem solide verarbeitet. Mit der steigenden Qualität der Spiele wandelten sich so auch die Joysticks vom hässlichen Entlein zum wohlgeformten Schwan. Sie wurden zum Abbild der damaligen Spielezeit und (dank breiter Auswahl) gleichzeitig auch ein Ausdrucksmittel für den Spieler selbst. So gab es auf LAN-Parties nicht selten eine breite Palette verschiedenster Modelle zu bestaunen. Gute geformte und "witterungsbeständige" Vertreter ihrer Art machten durch reine Mundpropaganda schnell ihre Runde und setzten sich am heiß umkämpften Markt langfristig durch - Survival of the Fittest.

Der 360° 3D-Klassiker Descent war fordernd und erst mit einem Joystick richtig zu steuern
Der 360° 3D-Klassiker Descent war fordernd und erst mit einem Joystick richtig zu steuern
Nun stellt sich dem Leser natürlich auch die Frage, warum ich diese Kolumne überhaupt schreibe. Nun, die oben genannten Modelle stehen allesamt bei mir zu Hause und stauben im Schrank vor sich hin. Wehmütig denke ich an Zeiten zurück, bei denen Spiele noch mehr Präzision erforderten oder dank eines Joysticks ein sehr tiefgehendes Spielgefühl vermittelten. Diese Instrumente haben mir als Spieler ein Gefühl vermittelt, an das die ganzen Plastikgitarren und Wiimotes bis heute nicht ganz heranreichen. Das Aussterben der damaligen "Joysticktitel" ging mit dem Absterben des Simulationsgenres unweigerlich einher - zu speziell und zu klein war die Randgruppe der Joysticknutzer geworden. 

Heute jedoch, in Zeiten der neubelebten Klassiker und intelligenten Minispiele ist die Zeit Reif für ein Revival des Joysticks. Noch immer wartet mein Gerät im Schrank darauf, dass sich ein Hersteller erbarmt und die alten Zeiten wieder aufleben lässt - auf dass ich ihn vom Staub der Jahre befreien und neue und aufregende Eindrücke mit Ihm erleben kann.

 
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