|
 Knuffig knobeln in Critter Crunch
Vorsicht: Kulleraugen und Knuddeloptik!
Critter Crunch wirkt auf den ersten Blick wie leicht verdauliche Puzzleaction für Einsteiger und Casualgamer. Ein Titel für die nächsten fünf Minuten eben.
Falsch! Auch abgebrühte Zocker werden hier bis zum Letzten gefordert. Ein knackiges Spielprinzip macht's möglich. Dieser Titel ist ein echter Geheimtipp für den PS3-Spieleabend unter Freunden
Zuckersüße Käferplage
Wer Critter Crunch das erste Mal zu Gesicht bekommt, würde hier eher
ein Spiel für Minderjährige vermuten. Aus der Perspektive eines
Tierforschers beobachten wir ein orangefarbenes Wesen namens "Biggs",
welches auf einer tropisch-bunten Insel beheimatet ist. Wie jedes
Lebewesen sieht sich das kleine Fellbüschel mit dem ständig hungernden
Nachwuchs konfrontiert. Sehr praktisch, dass die umliegende Fauna (in
Form verschiedener Käfer) ausreichend vorhanden ist. Einfaches Bejagen
genügt hier aber nicht, denn Biggs ist eigentlich auf die Kristalle im
Innern dieser Lebewesen scharf. Um an diese zu gelangen, müssen
kleinere Käfer an größere verfüttert werden, bis diese schließlich
platzen und dadurch ihre bunten Kristallleckereien freigeben. Das ganze
nennt sich im Spiel "Food Chain" und dient gleichzeitig als zentrale
Knobelmechanik.
Als Biggs machen wir uns somit auf und pflücken mit langer Zunge die
namensgebenden "Critter" von Ästen, um sie anschließend prompt an deren
Fressfeinde zu verfüttern. Benachbarte Käfer gleicher Farbe werden
durch eine solche Fressreakion ebenfalls zum Platzen gebracht. Gut
geplante Aktionen können somit auf einen Schlag das ganze Spielfeld
entvölkern, was zu entsprechend großen Boni-Kristallen führt. Diese
füllen eine Hunger-Anzeige am Spielfeldrand, die gleichzeitig unser
jeweiliges Levelziel darstellt. Schaffen wir es, acht der bunten Käfer
auf einmal abzuräumen, zeigt sich der Nachwuchs von Biggs und will
schnell gefüttert werden - mit einem bunt erbrochenen Regenbogenstrahl.
Wie süß! Eklig zwar, aber süß!
 Die Grafik von Critter Crunch ist zuckersüss und butterweich animiert. Viele Details laden zum Staunen ein.
Doch mit einfachen Kettenreaktionen ist die Spielmechanik von
Critter Crunch noch lange nicht erschöpft. Die kanadischen Entwickler
von Capybara Games (kurz: Capy) haben sich einige nette Ideen einfallen
lassen, um das Spiel auch langfristig spannend zu halten. Neben den
ständig nachrückenden Käferfarben und Reihen kommen kurzerhand auch
Critter mit mehr oder minder nützlichen Sonderfähigkeiten ins
Spielfeld. Da wären zum Beispiel die Veganer, welche vehement den
Konsum kleinerer Artgenossen verweigern. Sie können nur durch
Kettenreaktionen entfernt, oder ihrerseits an größere Krabbler
verfüttert werden. Die bunte Palette an Kreaturen zeigt sich hier sehr
originell: da gibt es Bomben, die größere Areale frei sprengen und
Engelswesen, die eine komplette Farbe vom Feld räumen. Weniger nett
sind da lebende Steinklötze, die sich von Biggs partout nicht fressen
lassen wollen und erkrankte Käfer, die möglichst schnell entsorgt
werden müssen. Kurz gesagt: von einem Ideen- oder Artenmangel kann in
diesem Spiel keine Rede sein. Folglich wird es im späteren Spielverlauf
auch zunehmend schwerer, längere Kettenreaktionen auszulösen. Wer hier
die Sonderkäfer nicht taktisch klug einsetzt, wird von den Krabblern
flott überwältigt und sieht das erste Game Over.
Der schöne Schein
Platzende Käfer und Nahrungsketten? Erbrochene Regenbogen? Was
zunächst sehr eklig klingt, wird hier Zuckersüß ja fast schon
kinderfreundlich präsentiert - wäre da nicht immer auch ein Rest
augenzwinkernder und gutmütiger Ekel-Humor. Critter Crunch wurde mit
viel Liebe zum Detail erdacht und umgesetzt. Das fängt mit der nett
erzählten Hintergrundgeschichte an und zieht sich hin bis zu
wunderschön gezeichneten und animierten Grafiken. Die strotzen dabei
vor so viel Charme, dass man beim Rätseln nur zu gerne das
Hauptgeschehen vergisst und die animierte Fauna im Spielfeldhintergrund
bewundert.  Eklig oder Süß? Dem Humor des Spiels kann man sich nur schwer entziehen
Dabei hat auch die Frontfassade von Critter Crunch viel zu bieten.
Biggs selbst ist nicht nur knuddlig anzusehen und butterweich animiert,
sondern zeigt uns auch den besten Siegestanz in der Geschichte der
Videospiele. Gut, das mag übertrieben sein, doch spätestens wenn der
quäkende Nachwuchs mit einem Strahl bunter Farbe gefüttert wird, geht
jedem Spieler das Herz auf.
Auch das Spielfeld selbst ist nett gestaltet, denn alle Käfer sind
nicht nur starre Tetris-Klötze, sonder verfügen über einen
individuellen Charakter und eigenständige Animationen. Auch die
putzigen Soundeffekte passen zum Setting und wirken niemals
aufdringlich. Untermalt wird das bunte Geschehen von einem ruhigen
Soundtrack, der manchmal etwas zu blass in den Hintergrund rückt, dafür
aber auch stimmig ins Gesamtbild passt.
Gemeinsam oder Einsam?
Critter Crunch macht im Alleingang schon eine ganze Menge Spaß. Doch
dank der zahlreichen Multiplayermodi fährt der Titel zur echten
Höchstform auf. Wahlweise gegen- oder auch miteinander bekämpft Ihr die
Kreaturenplage möglichst Lange im Endlosmodus. Wer gerade keinen Freund
zur Hand hat, kann sich dank Onlinefunktionen und Ranglisten auch mit
anderen Spielern messen. Hier kommen auch die speziellen Powerups zum
Tragen, die - sofern richtig eingesetzt - über Sieg oder Niederlage
entscheiden können. Über die Funktion dieser Items sei an dieser Stelle
nichts verraten. Die von ihnen ausgelösten Lacher sind aber garantiert!
 Die Zwischensequenzen erklären die Spielmechanik auf eine humorvolle Art
Eher ruhige Denkernaturen hingegen versuchen sich am Rätselmodus,
bei dem es eine gegebene Menge Käfer in einer bestimmten Anzahl an
Zügen (ganz ohne Zeitlimit) zu entfernen gilt. Das ist zu Beginn noch
erfreulich einfach, wird später aber dank Käfer-Sonderfunktionen und
der notwendigen Kettenreaktionen zur echten Herausforderung.
Fazit - Ein Puzzler, sie alle zu knuddeln…
…sie ins Bunte zu treiben! Critter Crunch sticht aus der großen
Masse von Knobelspielen wahrlich heraus. Die Spielidee ist ein
origineller Mix von altbekannten und pfiffigen neuen Ideen. Die
Präsentation ist erstklassig und liebevoll umgesetzt und die
Rätselmechanik hat das Zeug, den uralten Genrekönig Tetris vom Thron zu
stoßen. Für gerade einmal 7$ (zzgl. Steuern) ist der Titel derzeit im
amerikanischen PSN-Netzwerk zu haben und somit ein echtes Schnäppchen
für jeden PS3-Besitzer.
|