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Drum prüfe, wer sich ewig bindet
(1 Stimme)
Geschrieben von Feanarth

Digitaler Vertrieb - Falle oder Chance?

Wenn es nach Sony geht, hat der klassische Vertriebsweg von Spielen sein baldiges Ende gefunden - zumindest was den Handheld-Bereich angeht. Mutig wagt man sich hier einen Schritt nach vorne und bringt mit der PSP Go! die mittlerweile dritte Neuauflage des Handhelds. Während sich die erste PSP 1000 und der Nachfolger PSP 2000 nur in Details unterschieden, kommt der neuste Spross gänzlich ohne Laufwerk oder Spiele-Slot aus. Neues Zockmaterial erhält die PSP Go! ausschließlich über Sonys hauseigenen Onlineshop. Das ist mutig, aber auch frech - und stößt auf stark polarisierte Meinungsfronten.
Sogar Nintendo geht (entgegen früherer Tendenzen) in Richtung Onlinetrend. Die neuste Iteration des DS-Handhelds verzichtet ebenfalls auf alte Komponenten (GBA-Slot) und bringt dafür eine eingebaute Online-Downloadmöglichkeit für weitere Spiele. Hier ist man jedoch noch nicht so weit, sich von den alten Vertriebswegen zu verabschieden - der DSi hat immer noch einen Erweiterungsslot für die bisherigen DS-Spiele.

Das Problem der Masse

Sony
Sony's PSP Go! setzt nur noch auf Downloadinhalte
Während sich die angebotenen Online-Inhalte auf den neuen Handhelds noch eher überschaubar präsentieren, zeigt sich der Markt auf den heimischen Systemen (PC / Konsole) geradezu riesig. Besonders Microsoft hat mit dem XBOX Live! Dienst sehr früh begonnen, die heimischen Spielern mit Zusatzinhalten zu "beglücken". Sony und Nintendo folgen brav dem Trend und bauen ihre Onlineangebote ebenfalls mehr und mehr aus. Valves Online-Portal "Steam" zeigt bereits seit Jahren, dass diese Vertriebsmodelle mitnichten auf "fixe" Systeme wie Spielekonsolen beschränkt sind. Der Markt für so genannte "Free-To-Play" Spiele ist gerade am PC erschreckend riesig geworden.

Doch ähnlich der nervigen TV-Flutwelle an Handydownloads zeigt sich hier ein bereits bekanntes Problem: Der Markt wird mit Billigschrott regelrecht überflutet. Zwar gibt es durchaus auch Softwareperlen in den Onlineangeboten zu finden, doch das Gros der Inhalte ist (mehr oder weniger deutlich) auf den schnellen Reibach ausgelegt. Das fängt mit virtuellen Kleidern zur Verschönerung des eigenen Spiel-Avatars an und endet mit mehr oder minder umfangreichen Erweiterungspacks für aktuelle Spiele. Gerade Letzere wurden früher noch als kostenloser Zusatzinhalt (via Patch) mitgeliefert, doch diese Erwartungshaltung scheint mittlerweile bei vielen Konsumenten untergegangen zu sein. Bereitwillig werden daher "billig" erscheinende Erweiterungen für den Lieblingstitel heruntergeladen - oft im Unwissen darüber, dass man damit einen Nutzen- und Qualitätsverlust hingenommen hat. Die Hersteller freut es, denn sie können riesige Distributionskosten sparen, ohne dafür einen Gegenwert zu liefern.

Die neue Wegwerfqualität

Onlineshops (hier Playstation Store) sind leider auch ein Füllhorn für sinnfreien Schrott
Onlineshops (hier Playstation Store) sind leider auch ein Füllhorn für sinnfreien Schrott
Dabei stört eigentlich nicht das riesige Angebot an sich, sondern die Intransparenz, mit der es dem Kunden vermittelt wird. Fast alle Portale halten die "subjektiven" Informationen über ihr Angebot nur zu gerne heraus. Kundenmeinungen und Testprädikate (wie sie oft auf Spieleverpackungen zu sehen sind) sind stillschweigend nichts sagenden Werbetexten gewichen. Wer sich für die Inhalte und Spieletitel interessiert, muss auf die Bereitstellung einer Demo hoffen oder einfach "auf gut Glück" zugreifen. Wichtige (und vor allem ungeschminkte) Meinungen anderer Nutzer findet man nur durch eine separate Recherche im Internet - und das ist alles andere als Kundenfreundlich.

Zudem birgt der neue Vertriebsweg einen interessanten Nebeneffekt: Die langfristige Bindung an die jeweilige Spieleplattform. Wer Spiele nach dem Durchspielen verkaufen will, hat bei virtuell erworbener Ware keine Chance. Ein Titel ist nach dem Download fest mit dem System / Account verbunden. Das Verschenken oder der Gebrauchtverkauf ist für immer passé.

Doch auch wer (wie ich) gebrauchte Spiele nie weiter verkauft, hat beim Onlinehandel verloren: Keine Verpackung, kein Handbuch, keine Beigaben mehr. Das mag dem einen oder anderen nicht mehr als besonders gutes Argument erscheinen, doch spätestens nach 5 Jahren mit dem obligatorischen Wechsel der Plattform kommt die Frage auf, wie man seine geliebten Titel doch noch mal spielen kann - und zwar ohne das Altsystem auch noch am TV-Gerät zu (er)halten. Die Antwort der Hersteller: man bittet die Kunden mit recycelten "Classic-Titeln" einfach erneut zur Kasse. Umso frecher erscheint da die fast schon gängige Praxis, für einen Online verfügbaren Titel genauso viel Geld zu verlangen wie für sein physisch greifbares Pendant. Wenn ich daran denke, wirken auf einmal sogar alte Steckmodule (Cartridges) auf mich erstaunlich attraktiv - auch wenn sie damals zu Stückpreise von bis zu 140 DM über die Theke gegangen sind.

Der Kunde ist (immer noch) König

Bei all diesen subtil eingestreuten Abzockermethoden wird es zunehmend schwerer, gezielt auszuwählen. Doch letzten Endes entscheiden immer noch wir als Kunden, welches Angebot sich letzten Endes durchsetzt. Nur mit vehementen Forderungen nach Portierungs- oder Backupmöglichkeiten kann der lieb gewonnene Titel auch in die nächste Konsole gerettet werden. Nur durch konsequente Kaufverweigerung können schwarze Schafe aussortiert und Hersteller zur Qualität ermahnt werden. Auch nach Jahren der Spielekultur ist der Kunde immer noch König!

Der Trend zum onlinegestützten Gaming ist nicht mehr aufzuhalten. Dienste wie OnLive zeigen bereits heute, wie in Zukunft die Spiele zu uns ins Wohnzimmer gelangen können. Man kann diesen Diensten nicht abstreiten, dass sie über mehr Vielfalt und Bequemlichkeit verfügen. Doch letzten Endes liegt es doch an uns Gamern, (auch) unsere Spielelandschaft frei von Fast-Food und Müll zu halten.

 
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