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District 9
(1 Stimme)
Geschrieben von Feanarth

District 9 Cover
District 9 Cover
Rezept für einen Science-Fiction-Streifen. Man nehme: Die Substanz von "Enemy Mine", gebe eine Prise "Half Life 2" hinzu und mische das Ganze mit einem ordentlichen Schuss "Indepence Day". Die Mischung kocht man 2h mit etwas Sozialkritik und löscht das ganze mit einem Schuss Pathos der Marke "Star Ship Troopers" ab.

Kann ein Film, dessen Regisseur "Neill Blomkamp" sich so frech in anderen Genres bedient denn auch gut sein?

Soviel sei verraten: Weiterlesen lohnt sich!

Armut entfremdet

District 9 spielt in einem alternativen Afrika unserer Zeit, genauer gesagt in der Millionenstadt Johannesburg. Vor 20 Jahren strandeten dort Aliens mit ihrem Schiff und suchen aus nicht näher bekannten Gründen Zuflucht bei der Menschheit. Deren stark beschädigtes aber riesiges Raumschiff schwebt seit dieser Zeit unverändert über der Stadt und bislang weiß keiner, wieso oder warum die Besucher gekommen sind. Durch die Sprachbarriere bedingt werden die unwillkommenen Besucher zwar zwangsläufig toleriert, jedoch zeitgleich auch stark überwacht und im "District 9" unter völlig verarmten Bedingungen gehalten. Und wie es mit der Armut nun mal so ist, dauert es natürlich nicht lange, bis die Menschheit anfängt, die Aliens wegen ihrer Technologie auszubeuten und zu schikanieren. Was mit der eher harmlosen Bezeichnung "Shrimps" beginnt, zieht sich weiter über Rassenhass, Schwarzhandel und der Verbreitung von Lügengeschichten. Obwohl sich die Opfer in Grenzen halten, sind die Schuldigen immer schnell gefunden - und dementsprechend werden die Proteststimmen gegen die eigentlich harmlosen Besucher immer lauter. 

Von der Doku zum Drama

Wechselt die Fronten wider Willen - Wikus van der Merwe
Wechselt die Fronten wider Willen - Wikus van der Merwe
In logischer Konsequenz weicht die langjährige Politik der "Toleranz" einer Zwangsräumung von District 9. Wenig zimperlich wird diese durch die "Multi National United" - einer privaten Militärorganisation durchgeführt. Dies ist zeitgleich auch der Auftritt von MNU-Anführer "Wikus van der Merwe", der uns als erstaunlich normal wirkender Mensch eine interessante Mischung aus freundlicher Neugier und lüsterner Brutalität zeigt. Als Wikus bei der chaotischen Räumungsaktion mit einer Alien-Substanz in Kontakt kommt, droht sein klares Weltbild zu zerbrechen. Im ersten Drittel noch an eine Dokumentation oder Reportage erinnernd, wandelt sich District 9 somit urplötzlich zu einer Mischung aus Action-Drama mit starker Sozialkritik. 

Multitalent im Kinoformat

Um District 9 zu erklären, müsste man die ganze Storyline des Films aufrollen, so relevant wirkt jede Szene auf den Betrachter. Neben den zahllosen filmischen Anspielungen und Details entdeckt man dabei nicht nur eine Dokumentation, sondern auch einen Actionfilm und ein Antikriegsdrama. Die Übergänge sind zudem absolut fließend und stellenweise auch sehr subtil umgesetzt. Da werden einerseits grausame Experimente gezeigt die in sprachlose Trauer übergehen. Es gibt herzergreifende Liebesszenen sowohl bei den Aliens als auch Hauptdarsteller Wikus - und dann wieder brachiale kompromisslose Action.

Egal ob fürsorglicher "Alien-Vater" oder liebender "Mensch-Ehemann": man nimmt den Schauspielern - den echten wie künstlichen - ausnahmslos jeden Charakterzug ab. Dies muss man besonders beim "Shrimp"-Alien "Christopher" hoch anrechnen.

Alien Christopher - Selten spielte eine Kunstfigur so überzeugend
Alien "Christopher" - Selten spielte eine Kunstfigur so überzeugend
Dieser tritt mit Wikus schon früh in Beziehung und wird sogar handlungstragender Pfeiler im Film. Selten hat man in einem Spielfilm so glaubwürdige und zeitgleich fremd wirkende CGI-Charaktere gesehen. Regisseur und Storyautor Neill Blomkamp versteht es meisterhaft, mit den Emotionen des Zuschauers zu spielen und zum Nachdenken anzuregen. Die zahllosen Anspielungen an andere Filme wirken dabei zu keiner Zeit gestohlen, sondern wie etwas völlig Eigenes und neu Erschaffenes. Es gibt amateurhafte Kameraeinstellungen wie in Blair Witch Project und Cloverfield aber auch grandios inszenierte Gefechte, die sich hinter keiner teuren Produktion zu verstecken brauchen. Die Effekte sind dabei nahtlos ins Geschehen integriert, was besonders bei den realistischen Aliens sehr eindrücklich ist.

Bei alledem muss man zudem beachten: Dieser Film hat gerade einmal 30 Millionen Dollar gekostet - eine lächerliche Summe im Vergleich mit heutigen SciFi-Produktionen.

Fazit - genial und kurz

Mit District 9 ist Neill Blomkamp (und Producer Peter Jackson) ein Meilenstein gelungen. Das Besondere: die Story rund um die Aliens und deren Ausgrenzung von der Gesellschaft ist weder neu noch besonders originell. Trotzdem wird die Thematik so interessant aufgerollt und die Gesellschaftskritik dabei so gut platziert, dass man gar nicht anders kann, als diesem Film bis zur letzten Minute gebannt zu folgen. Das einzige was man diesem Kunstwerk vorwerfen kann ist, dass es zu viele Themen anschneidet und unbeantwortet lässt. Es bleibt somit zu hoffen, dass diese sehenswerte Hommage an das SciFi-Genre mit District 10 ihre würdige Fortsetzung erhält! 

 

 
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