|
 Ur-komisch: Ice Age 3 Die Dinos sind los!
Ice Age 3 ist in den deutschen Kinos angekommen. Dieses Mal legen sich die Mammuts Elli und Manny nebst Faultier Sid und Säbelzahltiger Diego mit den urzeitlichen Reptilien höchstpersönlich an. Und als ob T-Rex und Co. nicht schon genug wären, steht bei Familie Mammut auch noch Nachwuchs an.
Wie so etwas ausgeht, und warum der dritte Teil mit seinen Vorgängern mehr als nur mithalten kann, lest ihr in diesem Review.
Kinderfreundlich
Müsste man diesen Film beschreiben, wäre die Überschrift dieses
Absatzes wohl das treffendste Wort überhaupt. Die Story von Ice Age 3
stellt Kinder und Familie in den absoluten Mittelpunkt. Mammutfrau Elli
ist schwanger und Manni hat als werdender Vater nur noch die eigene
Familie im Kopf. Das führt dazu, dass sich Diego und Sid allein
gelassen fühlen und eine Kompensation für die fehlenden Abenteuer
suchen.
Bei Sid dauert es nicht lange, bis er seinen eigenen Kinderwunsch
erfüllt – und zwar dadurch, dass er selbst gefundene Dinoeier
großziehen will. Die frisch geschlüpften T-Rex-Junge schließen das
trottelige Faultier auch sofort in ihr Herz, bringen aber als
Fleischfresser auch ein „kleines” Problem mit sich – eine wütende
Mutter. Die holt sich kurzerhand ihre Junge zurück und entführt dabei
Sid gleich mit. Somit liegt es den verbleibenden Uhrzeithelden, ihren
Freund wohl oder übel zu retten.
Gleich zu beginn merkt man, dass Ice Age 3 gar nicht erst versucht,
die recht simplen Storyvorgänge der Vorgänger zu übertreffen. In
gewohnter Routine wird der Mix aus Slapstick und Brachialhumor
auf den Nutzer abgefeuert, der auch dank der putzigen Figuren wieder
klasse funktioniert. Stellenweise wird es mit dem „kindlichen” dann
aber doch etwas übertrieben, was sich in dem einen oder anderen
peinlichen oder in die Länge gezogenen flachen Gag äußert. Das ist in
einem kinderfreundlichen Film nichts Schlimmes, verliert aber
spätestens dann an Zugkraft, wenn (wie selbst erlebt) die angepeilte junge Klientel nicht mehr
über einen Witz lacht. Insgesamt halten sich diese peinlichen
„Sesselrutschszenen” zum Glück aber eher in Grenzen. Die von Ice Age gewohnten
originellen und schnellen Gags haben definitiv die überhand in diesem
Machwerk und unterhalten fast auf ganzer Länge ohne nennenswerte Tiefen.
Liebe kann weh tun
Das liegt mitunter auch an den neuen Figuren, von denen dieser Film
gleich mehrere zu bieten hat. Neben den bereits genannten (ultrasüßen)
Rexbabies und deren nicht minder schick animierten T-Mami findet auch
Eichhörnchen Scrat eine neue und mehr als würdige Kontrahentin im Kampf
um die Eichel. Die Odyssee wird somit zum Konflikt der Interessen und
treibt die Gagdichte sprichwörtlich in ganz neue Höhen. Kurzum: ein
mehr als gelungener Schachzug der Macher, ohne den Ice Age 3 viel von
seinem Charme eingebüßt hätte.
Apropos Qualitätssteigerung: Das eher langweilige Eisthema aus dem
ersten und zweiten Teil weicht in Ice Age 3 der grünen und bunten Welt
des Dinojungels. In ihrer Rettungsmission werden die einstmals
„größten” Mammuts ganz schnell zum „kleinen Snack” degradiert. Die
Story bekommt dadurch einige überraschende Wendungen der Marke
„Jurassic Park”.
In dieser Hinsicht sticht auch die Figur des Urzeitwiesels „Buck”
hervor, der mit seiner anarchistischen (und dezent irren) Art dem Film
eine ganz eigene Note verleiht. Seine zu „Moby Dick” und „Rambo” nicht
unähnlichen Rachegedanken wirken stellenweise etwas zu plakativ, passen
aber sonst gut in die Gesamtstory. Buck‘s Sprüche sind hin und wieder
der zuvor genannten (negativen) Sparte einzuordnen, geben dem Film aber
auch mit diversen coolen Sprüchen immer wieder Auftrieb.
Fazit - (fast) komplikationsfreier Nachwuchs
Man kann Ice Age 3 viele Detailfehler vorhalten. So wird Mammutfrau
Elli – im zweiten Teil noch eine höchst vielschichtige Figur – fast auf
die reine Mutterrolle degradiert. Manche Gags wirken ein wenig
flach und deplatziert und lassen den Film unnötig „kindlich” wirken.
Dennoch haben alle neuen Figuren ihren Platz in der (sehr
interessanten) Welt. Die Animationsqualität bewegt sich wie gewohnt auf
einem sehr hohen Level und erreicht stellenweise einen
Knuffigkeitsgrad, der kaum noch auszuhalten ist. Wer (wie ich) vom zweiten Teil
enttäuscht war, wird hier definitiv wieder mit der Reihe versöhnt.
Einfaches und optisch hervorragend präsentiertes Unterhaltungskino, bei dem man nicht viel falsch machen kann.
|