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Klassische Point and Klick Adventures sind in der 3D-verwöhnten
Spielerwelt ein rares Gut geworden. Umso mehr sticht der aktuelle
Release eines solchen Genrevertreters hervor - insbesondere wenn er
zudem noch aus deutschen Landen kommt.
Kann das Fantasy-Adventure "The
Book of unwritten tales" mit "deutschem" Humor wirklich punkten und
dabei in die Fußstapfen von Monkey Island und Co treten?
Findet es in
diesem Test heraus!
Grundsatzfrage 3D
Dreidimensionalität ist eine Veränderung im Adventurebereich, die bei Fans nicht selten auf wenig Gegenliebe stieß. Nur zu oft wirkten die Figuren seltsam steif, die Animationen nicht besonders ausgereift. Hinzu kommen immer wieder mal diverse Steuerungsprobleme, die nur zu gerne den Rätselspaß trüben. Mangels (oder dank) der gewohnten 2D-Comic-Gesichtsakrobatik von Guybrush und Co reagiert die Spielergemeinde sehr verwöhnt und empfindet 3D dementsprechend oft als Rückschritt.
Das erste was einem bei "The Book of unwritten tales" (kurz: "BouT") auffällt ist auch hier der 3D-Grafikstil. Die Entwickler haben allerdings ihre Hausaufgaben gemacht, denn "BouT" punktet mit wunderschönen gezeichneten Landschaften. Lediglich die Protagonisten sind zum großen Teil in 3D realisiert - ein Umstand, der wohl den hohen Kosten von professionellen 2D-Zeichnungen anzuschulden ist. Die Figuren in "BouT" kommen im 3D-Vergleich aber sehr gut weg. Sie sind sehr schön modelliert und gut ausgeleuchtet, wenn auch manchmal etwas holprig animiert.
Geschichte über Geschichten
Nimmt man den Ersteindruck der Grafik mal beiseite, zeigt "The Book of unwritten tales" ganz eigene Qualitäten. Die Geschichte handelt von einen Konflikt zwischen der Allianz der freien Völker (Zwerge, Elfen, Menschen, Gnome) und der Schattenarmee (Orcs, Trolle, Kobolde). Bisher hat keine der Parteien einen nennenswerten Sieg davon getragen, doch eine Legende um ein unheimlich mächtiges Artefakt könnte das baldige Ende des Krieges bedeuten.  Gras rauchende Kühe, schwule Paladine - Lacher sind garantiert Wer bei diesem "originellen" Setting bereits die Lunte riecht, liegt richtig, denn "BouT" versteht sich als große Fantasy-Persiflage und nimmt im Verlauf der Story mehrere Klischees des Genres gekonnt aufs Korn.
In der Rolle des Gnoms Wilbur, der schönen Waldelfe Ivo, dem Piraten Nate und seinem schrägen Begleiter "Vieh" erlebt Ihr auf Eurer Suche zahllose Abenteuer und besucht Figuren, die ihr doch irgendwo schon einmal gesehen habt. So begebt Ihr Euch auf der Suche nach dem Artefakt zu verschrobenen Erzmagiern, besucht einen drogensüchtigen Tauren, lernt androgyne Paladine kennen und schlagt Euch mit zweiköpfigen Ogern , verliebten Untoten und beruflich neuorientierten Drachen herum. Das alles klingt herausfordernd und gefährlich, ist aber eher amüsant inszeniert, denn an jeder Ecke der toll ausgearbeiteten Welt entdeckt ihr eine weitere humoristische Anspielung auf das Genre. Fans von Rollenspielen und Adventures entdecken in den Örtlichkeiten, Dialogen und Figuren zahllose lieb gewonnene Momente wieder. Wer sich in der Spielegeschichte auskennt, hat in "BouT" viel zu lachen.
Ein Satz heißer Elfen-Ohren
In den Dialogen wird der Witz des Spiels erneut sehr gekonnt aufgegriffen. Was die teilweise etwas steif wirkenden Animationen der Figuren vermissen lassen, machen die guten Synchronsprecher mehr als wett: prominente deutsche Synchronsprecher von Filmgrößen wie Daniel Craig, Ben Stiller, George Clooney, Whoopi Goldberg und Angelina Jolie verleihen jeder Figur eine markante Stimme und dem Spiel damit seinen ganz speziellen Charme.  Ratespiel: Welcher Adventuretitel wird hier parodiert? Hinzu kommt, dass die Dialoge sehr gut betextet wurden und (dank entfallener Lokalisierungsarbeit) fast ausnahmslos alle Gags zünden. In den Dialogen merkt man zudem, dass die Entwickler selbst Spieler waren. Das beweisen die zahlreichen selbstironischen Anspielungen aus dem Jargon von WoW, Monkey Island und vielen weiteren Games.
Untermalt wird das ganze von unaufdringlichen und sehr gute vertonten Musikstücken. "BouT" beinhaltet zwar keine klanglichen Meisterwerke, versteht es aber, die aktuelle Szenerie sehr stimmungsvoll durch hübsche Fantasyklänge zu untermauern. Unterm Strich gibt's demnach wenig zu meckern und viel zu loben. SO muss eine deutsche Synchronisierung aussehen!
Einmal leichte Fantasykost bitte
Trotz der Kriegsthematik ist "BouT" ein sehr lockerer Ansatz der Fantasythematik. Viele knuddelige Figuren sowie helle und bunte Szenerien zeigen, dass es hier primär um Spaß und nicht um Gewaltdarstellung (oder gar Realismus) geht. Der einsteigerfreundliche Anspruch zieht sich auch durch die Qualität und den Tiefgang der Rätsel. Die sind allesamt sehr logisch, stellenweise aber auch sehr einfach aufgebaut. Nur selten stellt uns das Spiel vor wirkliche Kopfnüsse, was auch dem sehr aufgeräumten Inventar und diversen Hilfsfuktionen wie einer Hotspot-Anzeige zu verdanken ist. Umso lustiger ist es dann aber, wenn die Charaktere das gewählte Item doch etwas anders als gedacht einsetzen.  Als aufstrebender Magier-Gnom Willbur lernen wir die ersten MMORPG-Spiele(r) kennen Apropos Einsatz: Im Laufe des Spiels sind bis zu drei Figuren aus dem Team gleichzeitig spielbar. Die bringen anatomisch und charakteristisch bedingte Eigenschaften ins Spiel, was aber selten jenseits des einfachen Itemtauschs und "erreiche hohen Hebel"-Rätsel wirklich genutzt wird. Trotzdem ist dieser Charakterwechsel ein nettes Feature und sollte in Zukunft weiter ausgebaut werden.
Zusätzlich zu den einfachen und logisch aufgebauten Rätseln lockern ein paar solide gebaute Minispiele Rätselalltag auf. Die sind teilweise sehr originell umgesetzt, erfordern manchmal aber auch etwas Umgewöhnung. Ein netter Zwischenaspekt sind sie aber allemal.
WTB [Schriftrolle des Humors] für 39g
"The book of unwritten tales" ist das, was sich viele Adventurefans seit Jahren erhofft haben: Ein grundsolides und sehr gut gemachtes Fantasy-Adventure mit liebenswerten Charakteren. Wer seit "Monkey Island" auf neue Rätselkost hoffte (und mit den neueren "realistischen" 3D-Adventures nichts anfangen konnte), wird mit diesem Spiel ganz hervorragend bedient. Trotz leichter Schwächen in der Rätseltiefe und den Animationen kann ich dieses Spiel jedem wärmstens empfehlen. Tut Euch und dem kleinen Entwickler "King Art Games" etwas Gutes und kauft Euch dieses Adventure-Kleinod, ihr werdet's nicht bereuen!
Technische Angaben
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Sprache: Komplett Deutsch
- Installation: DVD, 5 GB Festplattenspeicher
- CPU: mind. 1,5 Ghz
- Ram: mind. 512 MB
- Lieferumfang: Datenträger, Handbuch (Deutsch)
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Pro
+ Detaillierte Umgebungen
+ Klasse Synchronsprecher
+ Logische Rätsel
+ Guter Humor
+ Mix aus eigenen Ideen und Anspielungen
+ Mehrere Charaktere mit Tiefgang
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Contra
- Stellenweise bemühter Humor
- Oft etwas zu leicht
- Kleinere Animationsmängel
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