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Watchmen
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Geschrieben von Feanarth

Watchmen - düsteres und tiefgründiges Heldenepos
Watchmen - düsteres und tiefgründiges Heldenepos
Ein neuer Film vom »300«-Macher Zack Snyder. Dazu ein Comic, der bislang als unverfilmbar galt. Kann das gut gehen? Offenbar kann es das, denn auch ohne Kenntnis der umfangreichen und tiefgründigen Comic-Novelle bekommt man als geneigter Kinogänger viel geboten. Und ganz nebenbei stellt »Watchmen« noch unsere Sicht der bisherigen Comicverfilmungen auf den Kopf.

Die Story von »Watchmen« ist zu Zeiten des kalten Krieges angesiedelt, erzählt aber ebenso den Werdegang der Helden und ihrer Vorgänger in allen Details. Die müssen sich in der damaligen Gesellschaft mühsam ihren Erfolg erkämpfen, was dank übermenschlicher Kräfte und auffälligen Kostümen auch sehr schnell gelingt. Bald etabliert sich in den USA die Heldengruppe der Watchmen, die – auch von politischer Seite – starken Aufwind erhält. Gemeinsam beschützen sie die USA vor Verbrechen und politischen Feinden. Das heroische Dasein hätte also in der uns gezeigten Rückblende nicht besser sein können. Doch bekanntlich hält nichts ewig vor – besonders nicht der Frieden.

So werden im späteren Vietnamkrieg Vorbilder plötzlich zu Gewaltfiguren, die Ihre Macht wie im Rausch missbrauchen. Man merkt schnell: Von den Superkräften einmal abgesehen, haben die Helden sehr viel Menschliches an sich, was auch die dunklen Seiten nicht ausschließt. Die politische Gesinnung zwingt zu brutalen Taten, falscher Patriotismus wird dem Zuschauer in geradezu pervertierter Form aufgedrängt. Hier demonstriert der Film eine erschreckend reale Seite, die übernatürliche und fiktive Figuren erstaunlich glaubwürdig der bekannten Zeitgeschichte kombiniert.

Ein Sprung ins heute bringt uns daraufhin die Nachfolgegeneration der damaligen Helden näher. Der Kalte Krieg mit Russland hat die USA fest im Griff, die politische Stimmung ist angespannt. Das Verhältnis zwischen Helden und Nation hat sich dank Nixons Präsidentschaft  beinahe ins Gegenteil verkehrt. Das zwingt die Protagonisten zu einem Leben in der grauen Normalität. Der Schutz vor Russland und ein drohender Atomkrieg wird zum zentralen Thema im Land. Die Staaten verlassen sich hierbei fast nur noch auf den blauen Übermenschen „Dr. Manhattan“ - der ebenfalls ein Mitglied der Heldentruppe ist. Durch seine im Laborunfall verursachten, fast gottgleichen Kräfte sorgt er für ein instabiles Patt zwischen den Supermächten. Doch zeitgleich verliert er durch seine Macht und die neu gewonnenen Sichtweisen seine Bindungen an die menschliche Welt - ein Umstand, der dem Krieg eine bedrohliche Richtung geben würde.

So erleben wir mit den Helden den erdrückenden Alltag in den Vereinigten Staaten. Eine dunkle, aber sehr realistisch wirkende Mischung aus Angst, Hass und Zynismus, die durch Regisseur Snyder brillant in Bild und Ton präsentiert wird. Doch auch mit seiner intelligent erzählten Liebesgeschichte, gut verwobenen Handlungssträngen und anderen Emotionen vermag »Watchmen« zu überzeugen. Jeder Charakter wird ausführlich behandelt, dabei die Handlung der Action ganz klar vorgezogen. Dadurch entwickelt das tragische Heldenepos einen ganz eigenen Charakter, der sich absolut nicht mit den bisherigen Machwerken aus Hollywood vergleichen lässt. »Watchmen« nimmt sich viel Zeit für seine Figuren und droht stellenweise etwas langatmig und ausschweifend zu werden, bekommt aber immer im richtigen Moment einen Schuss Optik oder Action verpasst.

Jeder Film, besonders eine Comicverfilmung, steht und fällt mit seinen Figuren. Gerade hier zeigt sich, warum »Watchmen« sich mit der Handlung sehr viel Zeit lässt. Jede Figur wird in ihren Denk- und Handlungsweisen nachvollziehbar und ausführlich behandelt. Schwerpunkte oder gar Hauptfiguren sind kaum zu erkennen. Was dabei herauskommt ist ein faszinierend rundes Gesamtwerk, bei dem man selbst mit den übelsten Schurken mitfühlt und auch in den Helden viele Fehler erkennt – ganz wie im realen Leben eben auch. Da die eigentliche Rahmenhandlung fast nebenbei erzählt wird und der Fokus klar auf den Figuren liegt, kann man »Watchmen« trotz aller optischen Spielereien guten Gewissens als Charakterstudie bezeichnen – allerdings eine, die uns mehr bietet, als es andere Comicverfilmungen je vermocht haben. »Watchmen« ist ein geniales, schwermütiges Machwerk abseits bekannter Bahnen, das – trotz einer sehr einfach wirkenden Handlung - mehr als genug Stoff für drei Filme bieten würde.

 

 
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