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Kaufargument DRM & Securom
(1 Stimme)
Geschrieben von Feanarth

DRM - Gratwanderung zwischen Spieleschutz und Kundenfrust (Screen: Mirror
DRM - Gratwanderung zwischen Spieleschutz und Kundenfrust (Screen: Mirror's Edge - EA Games)
Der Kampf gegen so genannte »Raubkopierer« geht mit der jüngsten Spielegeneration in eine neue Runde. Während früher noch eine einfache Code-Eingabe die Echtheit eines Spieles bestätigte, reicht das den Herstellern anscheinend heute nicht mehr aus. Mit den aktuellen Spielen setzt man auf immer perfidere Methoden. Den Anfang machte Bioshock mit einer erzwungenen Onlineregistrierung. Die Liste geht weiter bis hin zu ständig im Hintergrund aktiven Programmen – auch wenn gar nicht gespielt wird.

Dieser Artikel soll beide Seiten der Spiele-Verpackung beleuchten und dabei aufzeigen, dass moderne Kopierschutzmethoden nicht nur tiefe Eingriffe in die Privatsphäre der Spieler vornehmen, sondern auch langfristige Folgen haben können. Hier die wichtigsten Argumente Pro & Contra DRM in Spielen.

SecuRom ist doch ein alter Hut

Das ist richtig. Speziell zur Absicherung von Software setzen viele Hersteller bereits seit Jahren auf Sonys Kopierschutz »SecuRom«. Dieser Schutz hat früher beim Programmstart die Echtheit einer CD überprüft. Fast schon schleichend hinzugekommen sind nach und nach aber diverse Koppelungsmethoden mit DRM (Digital Rights Management) und einer zwingend vorausgesetzten Online-Anbindung. Das klingt im Zeitalter von Breitband-Anschlüssen nicht so schlimm, doch wurden schon früher die genaue Funktionsweise und evtl. Schwachstellen von SecuRom weitläufig diskutiert und kritisiert. In Verbindung mit Sonys Verschwiegenheit zu den von SecuRom gesendeten Daten kann also kein Nutzer genau sagen, welche Daten sein System verlassen – oder welche Hacker-Frohnatur SecuRom als das auszunutzen, was es ist: Ein kommerzielles Rootkit, das über eine unkontrollierbare Schwachstelle jederzeit Daten senden und empfangen kann und das heimische System angreifbar macht.

Sicherlich ist SecuRom für sich allein genommen noch nicht DER Grund, auf die Barrikaden zu steigen, doch die schleichende Veränderung in Richtung »gläserner Spieler« ist beunruhigend. Hinzu kommt die Tatsache, dass Hersteller selten bis gar nicht auf solche stark ins System eingreifenden Methoden hinweisen, geschweige denn Hilfestellungen geben, wie man sie nach der Deinstallation seines Lieblingstitels wieder loswird. Und um das selbst von Hand zu bewerkstelligen, ist bereits tief greifende Kenntnis des eigenen Systems notwendig.

Mein Spiel läuft – mich stört das Ganze nicht

Für die Meisten Spieler dürfte diese Aussage zutreffen. Wenn das Spiel läuft, kann/darf man froh sein und seinen Lieblingstitel genießen. Doch sollte hier beachtet werden, dass aktuelle Spiele von EA (und leider auch schon von anderen Publishern) auf eine begrenzte Anzahl von Registrierungen setzen. Bei jeder Installation (oder Änderung der Hardware) wird dieser Zähler hoch gesetzt – und bereits nach 3-5 Registrierungen ist Schluss. Wer mehr möchte, oder gar Probleme bei der Registrierung hatte, darf also recht bald mit der Hotline des Herstellers Bekanntschaft schließen. Die dabei anfallenden Zusatz-Kosten und der Aufwand seien hier mal außen vor gelassen.

Die Rache der Fans: Spieler machen ihrem DRM-Frust auf Amazon Luft
Die Rache der Fans: Spieler machen ihrem DRM-Frust auf Amazon Luft
Viel wichtiger sind für mich folgende Fragen:

  • Funktioniert mein Lieblingsspiel auch in 3 Jahren noch?
  • Was ist mit den Aktivierungsservern des Herstellers?
  • Werden die DRM Methoden immer Abwärtskompatibel bleiben?

Die Reaktionen der weniger erfreuten Spieler sind absehbar. Wenn das Spiel wegen installierter Fremd-Software den Start verweigert oder die Registrierungszahl zu flott den Höchstwert erreicht, geht bei vielen (oft zu Recht) die gute Laune in den Keller. Kommen dann noch durch Kopierschutz verschuldete Probleme hinzu, liegt der Umtausch nahe - sofern sich die Händler kulant zeigen.

Der Frust muss bereits an höherer Stelle angekommen sein, denn manche Hersteller gehen auf Beschwichtigungskurs oder beseitigen CD oder Codeabfragen nach dem ersten Verkaufsjahr. Was aber immer bleibt, ist die Unsicherheit, denn kein Hersteller sieht hier größeren Nachholbedarf für die längerfristige Haltbarkeit seiner Spiele. Der Trend geht derzeit in Richtung »Wegwerfspiel«, was ich als großer Spiele-Fan und -Nostalgiker besonders Schade finde.

Die Hersteller müssen ihre Investitionen schützen

Das ist ebenfalls richtig. Aufwändige Spiele zu produzieren kostet heutzutage Millionen, dauert nicht selten Jahre und ist damit in seinen Grundzügen der Filmindustrie recht ähnlich. Die Hersteller wollen konsequenterweise ihre Investition schützen und setzen auf immer rabiatere Schutzmethoden. Um diese Handlungsweise zu rechtfertigen, wird schnell das Argument der hohen Raubkopierer-Quote gebracht. Das mag ebenfalls richtig sein, doch wird zu schnell vergessen, dass die Leidtragenden dabei immer die ehrlichen Kunden sein werden. Spiele - und Leute die sie kopieren -  hat es schon zu Commodore 64 Zeiten gegeben. Einen Kopierschutz zu entwickeln, kostet den Hersteller Millionen. In der Regel sind diese Maßnahmen aber schon ab dem Releasetag des Spiels geknackt und der Titel in diversen Tauschbörsen zu finden – Illegal natürlich, aber dafür völlig frei von Registrierungszwängen und stellenweise sogar problemloser zu starten als das »Original«.

Anscheinend haben die Spielemacher von der Musikindustrie nichts gelernt, denn die hat auch mit ihrer DRM-Gängelung effektiv die ehrlichen Kunden vergrault und rudert nun widerwillig zurück auf den alten Stand. Es ist faszinierend zu beobachten, dass die Industrie, welche auf marktwirtschaftliche Prinzipien aufbaut, das hohe Kosten / schwacher Nutzen-Verhältnis ihrer Schutzmethoden nicht erkennt.

Eins dürfte offensichtlich sein: Längerfristig werden mit solchen Methoden auf jeden Fall  mehr Kunden eher zur Konsumverweigerung (oder gar Illegalität) getrieben, als neue gewonnen. In meinem Fall trifft auf jeden Fall ersteres zu, denn egal wie gut die Qualität der jüngst erschienen EA Titel (siehe Infobox) ist: Ich werde diesen Zusatzmüll nicht installieren und möchte mein Spiel auch gern in 2-3 Jahren gern noch einmal Revue passieren lassen.

Vorsicht Legal!
Aktuelle Spiele mit DRM und Registrierzwang
:

  • Command & Conquer 3 (EA Games)
  • Mirror's Edge (EA Games)
  • GTA IV (Rockstar)
  • SPORE (EA)
  • BIOSHOCK (Take2 / 2K)

Wege aus der Misere

Ich gebe gern zu, dass es nicht gerade leicht ist, nur mit guten Worten mehr Käufer zu gewinnen und weniger Menschen vom Kopieren abzuhalten. Nach wie vor gilt aber immer noch der Grundsatz, dass sich gute Qualität auch gut verkauft. Die Spielehersteller sollten daher einsehen, dass man mit Zwängen und aufwändiger Werbung trotzdem keinen mündigen Spieler zum Kauf ihrer Machwerke von dubioser Qualität zwingen kann – und damit auch ganz bestimmt auch kein längerfristiges Vertrauen in das Unternehmen schafft.

In Zeiten des flächendeckenden Breitband-Internets liegt es eigentlich doch nahe, dass man durch zusätzliche Kaufargumente wie herunterladbaren Content oder Multiplayer-Modus wesentlich mehr Vertrauen beim eigenen Kunden schafft, als diesem den eigenen Willen aufzuzwingen. Gerade Valve gibt hier eigentlich das beste Beispiel, denn dort sind Spiele dank eifrigem Herstellersupport noch mehr als 5 Jahre aktuell und werden dank Ihrer hohen Qualität (hier sei als Beispiel Half Life genannt) noch nach Jahren in ebenso hoher Stückzahl verkauft.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass dieses Verhalten nicht zur Norm wird. Derzeit springen immer mehr Hersteller auf den DRM-Zug auf, was aber auch immer mehr Kunden ganz offensichtlich verärgert. Man kann diesen Wandel entweder mitmachen, auf NextGen-Konsolen ausweichen oder den Kauf solcher Machwerke konsequent vermeiden. Letzeres halte ich für sinnvoll, denn ein Ausweichen würde die Problematik über kurz oder Lang nur verlagern und stilles Akzeptieren wird später nur noch härtere Maßnahmen nach sich ziehen.

 

 
Diskutieren (2 posts)
Kaufargument DRM & Securom
Dec 12 2008 18:04:46
Sehr schöner Artikel, der alles Wichtige zum Thema DRM beinhaltet. Jedoch: Valve gehört für mich in diesem Fall mit an den Pranger. Bioshock und Co. sind doch ein alter Hut. Schon mal probiert ein Valve-Spiel ohne das DRM(!)-System - und genau das ist es - Steam zu spielen!? Welches Spiel musste denn schon 2004 (!) online aktiviert werden. Genau, HL2, also von daher ist Valve sowas wie der Urvater aller DRM-Mechanismen. Für jeden Valve-Rotz muss Steam im Hintergrund laufen. "Wir übermitteln keine Daten, bla bla bla" - deswegen kommt auch im Halbjahresrythmus ne Statistik raus, wer die Valve-Spiele mit welcher Hardware spielt - alles weitere auszulesen wäre ein Klacks imho. Das was wir momentan erleben ist nur die Perfektion dessen. Abgesehen davon: GTA4 steht bei Amazon hautptsächlich (eigentlich nur) so schlecht da, weil viele Spieler wegen des DRM-Systems rummosern - das eigentliche Spiel ist gigantisch :-)
Btw.: Das ab heute erhältliche "Prince of Persia" (ein Ubisoft-Spiel, gell ) kommt komplett ohne DRM und ohne Kopierschutz in den Laden.
#26
Aw: Kaufargument DRM & Securom
Dec 12 2008 19:02:18
Alex schrieb:
QUOTE:
Sehr schöner Artikel, der alles Wichtige zum Thema DRM beinhaltet. Jedoch: Valve gehört für mich in diesem Fall mit an den Pranger. Bioshock und Co. sind doch ein alter Hut. Schon mal probiert ein Valve-Spiel ohne das DRM(!)-System - und genau das ist es - Steam zu spielen!? Welches Spiel musste denn schon 2004 (!) online aktiviert werden. Genau, HL2, also von daher ist Valve sowas wie der Urvater aller DRM-Mechanismen. Für jeden Valve-Rotz muss Steam im Hintergrund laufen. "Wir übermitteln keine Daten, bla bla bla" - deswegen kommt auch im Halbjahresrythmus ne Statistik raus, wer die Valve-Spiele mit welcher Hardware spielt - alles weitere auszulesen wäre ein Klacks imho. Das was wir momentan erleben ist nur die Perfektion dessen. Abgesehen davon: GTA4 steht bei Amazon hautptsächlich (eigentlich nur) so schlecht da, weil viele Spieler wegen des DRM-Systems rummosern - das eigentliche Spiel ist gigantisch :-)
Btw.: Das ab heute erhältliche "Prince of Persia" (ein Ubisoft-Spiel, gell ;-) ) kommt komplett ohne DRM und ohne Kopierschutz in den Laden.


Anmerkung: Die Probleme mit den Sonderzeichen im Forum versuch ich am Wochenende zu lösen.

Valve habe ich an dieser Stelle bewusst beim letzten Absatz "Alternativen" genannt, weil es dieser Hersteller zwar auch mit Onlinezwang sehr genau nimmt, jedoch mehr Vorteile für den Kunden einbringt (Auto-updates, ständig neuer Content, gute Community & Shopeinbindung). Sicher: Die Datensammelwut ist ein nicht unwichtiges Kriterium, jedoch gings mir Primär im letzten Absatz drum, wie man solche Kopierschutzmaßnahmen sinnvoller an den Kunden bringen kann, als "nur 3x und dann Schluß" zu sagen. Die Akzeptanz von Steam gibt Valve ja Recht - und ich muss schon lange nicht mehr zwangsweise on sein zum Spielen, geschweige denn um zu speichern.
#27

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