Gelegenheit macht Helden
 Wrath of the Lich King Level 80, eine neue Heldenklasse, viele neue Quests und Instanzen – Fakten, die dem WoW Spieler alle bekannt sein dürften. Mit dem neuen Addon »Wrath of the Lich King« (WotLK) bringt Blizzard endlich das von den Fans lang ersehntes Spielmaterial heraus. Keine Minute zu früh, denn nicht wenige Spieler wurden der Inhalte des bisherigen Addons »The Burning Crusade« langsam überdrüssig. So verwundert es nicht, dass pünktlich zum Start von »WotLK« die alten Gebiete wie ausgestorben sind und alle sich auf den neuen frostigen Kontinent Northrend stürzen.
Endlich wieder Neues zu entdecken ist sicherlich die größte Motivation des Addons, doch gibt es noch eine zweite, viel interessantere und unscheinbarere Änderung, die speziell Gelegenheitsspieler anspricht: Erstmals sollen auch hochstufige Inhalte im kommenden Spieler-Höchstlevel 80 für Normalspieler zugänglich sein – eine nicht unwichtige Sache wie ich meine.
WoW ist jetzt offiziell Casual...
So lauten derzeit die Schlagzeilen der großen Websites von
professionellen Raidgilden, allen voran SK Gaming & Nihilum. Die
Wortwahl dieser Nachrichten könnte spöttischer kaum sein, denn diese
Profispieler – in entsprechend straffen Gilden organisiert - sehen sich
damit ihrer Hauptmotivation beraubt: Der fast schon elitär anmutenden
Profilierung gegenüber der restlichen Community an “Normalspielern“.
Weiterhin entfällt so auch der selbst auferlegten Leistungsdruck, die
härtesten Instanzen (sprich: Level) des Spiels als Erster zu
durchleben. Zwar gibt letztgenannten Ansporn immer noch, doch ist bei
geringerer Herausforderung das Alleinstellungsmerkmal verloren gegangen.
Mitleid verspüre ich als Spieler gegenüber solchen Gilden wenig,
denn sie bestätigen damit die längst angekündigte Absicht von Blizzard,
sich dem durchschnittlichen Konsumenten von WoW anzunähern – und damit
auch wohl gut 80% der WoW-Spielerschaft, zu denen ich mich nach frühen
„Abschweifungen“ nun selbst zähle.
…und fast alle dürfte das freuen
Ich begrüße diesen Umschwenk von Blizzard sehr, denn es kann nicht
angehen, dass ein Hersteller den Großteil des so genannten
Highend-Content nach einer fast schon professionell spielenden
Minderheit der Spieler ausrichtet. Zur Erläuterung: Noch beim
vorherigen Addon »The Burning Crusade« und auch dem vorangegangenen
Basisspiel hatte sich der blaue Produzent auf die Fahnen geschrieben,
die finalen Inhalte eben nur jener kleinen Sparte von Spielern
vorzuenthalten. Das waren insbesondere die Spieler, die willens sind,
viel Zeit und Aufwand in das Spiel zu investieren.
Die Kehrseite daran war offensichtlich: Gut 80% der Spielerschaft -
mich mit eingenommen - dürften den im Spiel-Introvideo von »The
Burning Crusade« so großartig inszenierten Bösewicht »Illidan« nicht
ein einziges Mal zu Gesicht bekommen haben. Um diesen zu erlegen,
respektive überhaupt erst mal zu Gesicht zu bekommen, war ein großer
logistischer und zeitlicher Aufwand im Spiel notwendig – Zeit, die
vielen Menschen schlichtweg fehlte.
 Die Instanzen und Raids sind wieder großartig designt und nun auch für kleinere Gruppen zugänglich Mit dem neuen Addon hat Blizzard den allgemeinen Schwierigkeitsgrad
und die Anforderungen der neuen Instanzen ganz offenbar drastisch
gesenkt, was vielen Spielern die Möglichkeit gibt, selbst einmal Hand
bzw. Schwert an die neuen Bosse anzulegen - und eventuell später sogar
Obermotz Arthas persönlich gegenüberzutreten.
All das sind Aussichten, die früher in WoW undenkbar waren, sofern
man nicht willens war, sich mit 24 oder sogar 39 anderen Spielern einen
Abend auf Monsterhatz zu begeben. Zukünftige Raids werden auch (bei
geringer ausfallender Beute) mit nur 10 Spielern möglich sein, was eine
durchaus vertret- und organisierbare Zahl darstellt. Grund genug für
viele Spieler, sich mit ihrem Helden (oder Heldin) gen Level 80 zu
begeben und auf den Highend Content zu freuen.
Die kleinen großen Erfolge
Blizzard unternahm nicht nur im Highend-Bereich viel, um dem
normalen Spieler entgegen zu kommen. Die neue Heldenklasse der
Todesritter startet bereits ab Level 55 und erlaubt damit einen flotten
Einstieg in die neuen Kontinente. Dazu gibt’s ein gratis Reittier, fast
übermächtig erscheinenden Spielerfähigkeiten und eine edle
Start-Ausrüstung, die das Leveln zur wahren Freude macht. All das sind
Dinge, die man sich früher in mühevoller Arbeit erst verdienen musste –
und damit wird klar, dass Blizzard in Zukunft auch kurze Spielzeiten
mit Sinn und Erfolg füllen möchte.
 Viel Arbeit - aber portionsweise machbar. Achievements (Errungenschaften) geben Euch viel Raum für Individiualismus Zu dieser Kategorie zählen auch die kürzlich eingeführten
»Achievements« (Erfolge), welche Spieler als Auszeichnung für
individuelle Errungenschaften im Spiel erhalten. Das geht bei teilweise
sehr einfachen Dingen wie z.B. dem Lösen einer bestimmten Anzahl Quests
los und zieht sich hin bis zu sehr schweren Errungenschaften, die nur
wenigen Spielern vorbehalten sind.
Das System ist bei weitem nichts Neues im Spielemarkt, sondern auf
Konsolen wie der Xbox 360 bereits seit Jahren die Norm. Dennoch greift
auch hier der innere Trieb, eine der unzähligen Auszeichnungen zu
erhalten, denn einerseits bekommt man dafür Punkte, andererseits sogar
größere Belohnungen wie spezielle Reittiere oder Titel spendiert, die
fortan die eigene Spielfigur schmücken. Das System ist motivierend, gut
durchdacht und gibt vielen Spielern weitere Möglichkeiten in die Hand,
sich ganz individuell – und zudem mit vertretbarem Aufwand – eigene
Erfolge zu verschaffen.
Auch in Sachen Quests will Blizzard viel dazugelernt haben und
scheint dies mit »WotLK« auch eindrucksvoll zu beweisen. Wo früher
Quests eher eine scheinheilige Hülle für die langweiligen »sammle 10
hiervon und erschlag 10 davon«-Aufgaben darstellten, wird nun mit
Storyline, abwechslungsreichen Geschichten und vielfältigen Aufgaben
konfrontiert. Gepaart mit den stimmigen Musik und den riesigen
Landschaften im nordischen Look, die ich in der Betaversion selbst
schon minutenlang bestaunt habe, ergibt sich ein runder Gesamteindruck.
Endlich gilt beim Leveln nicht mehr »erster zu sein« sondern
vielmehr der die alte Weisheit: »Der Weg ist das Ziel«. Ich hoffe auch,
dass sich die Profis an dieser Denkweise eine Scheibe abschneiden, denn
wer die gut gestalteten Inhalte nur möglichst schnell durchlaufen will
und zwanghaft Möglichkeiten sucht, der beste zu sein, weiß gar nicht,
wie viel er von diesem grandios gemachten MMORPG verpassen wird.
Wie sich aber letzten Endes das “Leben nach 80“ gestalten wird, kann
an dieser Stelle noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Blizzards
Pläne scheinen sich in Sachen Profispiel mehr Richtung PVP (Spieler
gegen Spieler) zu verlagern. Doch auch weiterhin kann man diese Sparte
noch eher als angestricktes Beiwerk zu WoW sehen – wer weiß, wie lange
noch. Ich jedenfalls freue mich auf meinen Weg zu 80 und werde jedes
Detail der neuen und liebevoll gestalteten Welt sehr genießen – und
zwar ganz ohne Leistungsdruck und Profilierungswahn.
|