Am richtigen Ventil gedreht
Vor kurzem brachte Valve das zweite große Update für den Multiplayer-Shooter »Team Fortress 2« heraus. Als großer Fan des Spiels wartete auch ich damals sehnsüchtig auf das Erscheinen der Orangebox und wurde von der Qualität sämtlicher Inhalte nicht enttäuscht. Der Entwickler Valve zeigt uns hier in einem Paradebeispiel, dass gute Spiele nicht mit dem Release eines neuen Spiels enden. Kontinuierliche Verbesserungen durch Patches und kostenlose Erweiterungen wie das jüngst veröffentlichte »Heavy Update « sprechen eine Sprache, von der andere Entwickler sich die eine oder andere Vokabel abschauen sollten. Dabei sei angemerkt: Team Fortress 2 dient in diesem Special als Beispiel – und war seinerzeit eigentlich eher eine Beigabe zur Episode 2 der Orange Box !
Doch nicht alles war bei Valve immer auch gut. Gerade das seinerzeit gewagte STEAM -Konzept hatte zahlreiche Gegner. Grund genug also, den Entwickler Valve etwas detaillierter zu betrachten.
Die Anfänge – Half Life 1
Valve war damals ein unbekannter Entwickler, dem mit Half-Life im
Oktober 1998 ein echter Meilenstein in der PC-Spielegeschichte gelungen
ist. Erstmals wurden Shooter nicht mehr nur auf überzogenes Geballer
reduziert, sondern boten filmisch inszenierte und glaubwürdige
Schauplätze sowie interessante Charaktere wie die des stillen
Protagonisten Gordon Freeman, dessen Brecheisen bereits heute als ein
Markenzeichen weltbekannt ist. Das Spiele-Konzept von Valve ging auf
und Half Life wurde schnell bekannt. Allerdings lag das insbesondere
auch der Erweiterbarkeit des Spiels. Kostenlos von Valve
veröffentlichte Entwicklerpakete (SDKs genannt) ermöglichten es den
Fans, auch nach Half Life noch eigene Abenteuer mit der Spiele-Engine
zu entwickeln. Die bekannteste davon ist noch heute in aller Munde und
Grund für zahlreiche Mediendiskussionen: Counter-Strike. Es war also
ein Fanprojekt, dass Valve und Half-Life erst richtig berühmt machte
und die Verkaufszahlen des Shooters noch Jahre später in Schwindel
erregende Höhen trieb. Viele weitere Fanmodifikationen sollten – auch noch heute – folgen.
STEAM – Viel heiße Luft um nichts?
Bereits 1999 nahm Valves neue Plattform STEAM ihre Dienste auf –
damals noch allerdings in einem eher experimentellen Status und dem
Ziel, Valve-Spiele zentral zu verwalten und mit Updates zu versorgen.
Mit dem Erscheinen des offiziellen Nachfolgers von Half-Life wurde
STEAM allerdings richtig bekannt, denn Half-Life 2 musste in jedem Fall
online aktiviert werden. Zwar gab es den Datenträger auch noch normal
im Handel zu kaufen, doch auch hier wurde eine Aktivierung via STEAM
verpflichtend. Was ursprünglich Raubkopien vorbeugen sollte, war vielen
Spielern zunächst ein großes Ärgernis. Viele Leute hatten damals noch
keine Breitbandverbindung. Eine Aktivierung der neu erworbenen
Half-Life 2 Lizenz gestaltete sich dementsprechend zeitraubend – Ein
Umstand, der sich dank ständig überlasteter STEAM-Server nicht gerade
verbesserte.
VALVE reagierte jedoch schnell, denn die zwangsläufige
Onlineverbindung wurde schnell nur noch für die Aktivierung
vorausgesetzt. STEAM bekam einen Offline-Modus und wurde dank besserer
Server schnell zu etwas, dass viele bisherige Publisher das fürchten
lehrte: Eine völlig unabhängige Online-Vertriebsplattform.
Das Ende der Spieleverpackung?
Valve revolutionierte mit STEAM den Spielemarkt, denn erstmals
musste man sich bei der Entwicklung neuer Spiele nicht mehr der
Knechtschaft eines Publishers unterziehen. Letztere beinflussen nicht
selten die kreative Spiele-Entwicklung im Tausch für ein großes Budget,
Werbung und den anschließenden Vertrieb des fertigen Spiels. STEAM
hatte also echten Mehrfachnutzen: Zum einen konnten erstmals Spiele
ohne den „Mittelweg“ online erworben und heruntergeladen werden und zum
anderen entfielen Verpackungs- und Lieferkosten fast vollständig. Das
System bietet zudem einen gewissen Abschreckungseffekt für Cheater,
denn wer beim Betrügen erwischt wird, ist schnell seinen Steam-Account
los – und aller damit erworbenen Spiele. Dank immer besser werdender
Onlineanbindungen erfreut sich STEAM heute großer Beliebtheit und
zahlreiche Spiele-Entwickler wären nur zu gerne auf der Plattform
vertreten.
Trotz aller Moderne ist die traditionelle Spieleverpackung noch
nicht ausgestorben. Zum Einen, weil viele Entwickler immer noch auf
einen finanzstarken Publisher angewiesen sind, und zum anderen, weil
viele Sammler einfach noch gerne eine Verpackung und Anleitung im
Schrank stehen haben.
Man nehme: Kundensupport und Fantreue
 Valve zeigt Humor - Ein Achievement für den russischen Heavy sind die "KGB" Wie bereits angedeutet, wurde Valve nicht ausschließlich wegen
hochqualitativer Spiele so erfolgreich. Gerade Counter-Strike und die
jüngst erschienene Orange Box bestehen fast zu 100% aus Fan-Ideen, die
vom Entwickler konsequent integriert oder gefördert wurden - darunter auch Portal. Mit TF2 und Portal zeigt Valve eindrucksvoll, wie man eine
interessante Idee konsequent sowie humorvoll entwickeln kann. Besonders lobenswert ist
dabei die Tatsache, dass viele Patches und Erweiterungen auch lange nach Release vollkommen
kostenfrei erscheinen. So wurde z.B. das alte Grundkonzept von Team Fortress
dezent erweitert und durch einen stimmigen Comic-Look weiter
entwickelt. Um die Fans auch abseits des Looks weiterhin bei Stange zu halten, werden nun
sämtliche im Spiel vorkommenden Klassen nach und nach mit so genannten
»Achievements« ausgestattet. Das Konzept der Freispielbaren Extras ist
zwar von der Xbox360 fast 1:1 übernommen, macht im Spiel aber ebenfalls Sinn. Im Falle von Team Fortress 2
haben diese besonderen Extras direkte spielerische Auswirkungen in Form neuer
Items und Waffen, was das eh schon simpel-geniale Spielprinzip
dauerhaft interessant hält.
Bei all dem hier genannten muss eines besonders hervorgehoben
werden: Die Kundennähe. Valve bietet seit STEAM und der Orange Box
konsequent guten Support an. Viele Vorschläge von Fans werden in den
Erweiterungen übernommen und selbst schwere Bugs wie z.B. Abstürze des
Spiels sind meist binnen weniger Tage korrigiert. Genau wie
Unterhaltungsriese Blizzard geht Valve dabei mit einem ganz eigenen
Humor zu werke, der die eigenen Spiele noch lange Zeit am Leben erhält
und für viele Fans zu einem besseren Spielerlebnis beiträgt. In Zeiten leb-
und liebloser Fortsetzungen ist dies genau die Herangehensweise, wie
Spieleproduzenten mit ihren Kunden umspringen sollten.
Wer eine Kostprobe des Humors aus Team Fortress 2 will sollte sich dieses Video aus einer Reihe von amüsanten TF2 "meet the" Videos anschauen.
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