|
Kaum ein Hersteller macht zurzeit so sehr von sich reden,
wie der Unterhaltungsriese Nintendo. Bereits 1889 in Kyōto gegründet kann das Unternehmen auf eine recht
vielseitige Vergangenheit zurückblicken – und das nicht immer mit dem Gewünschten
Erfolg. Den ersten Einstieg in die Videospielwelt wagte die Firma in den 70ern.
Zwar brachten Handheld-Titel wie „Game&Watch“ die ersten und wichtigen
Erfolge, doch der richtige Durchbruch gelang Nintendo erst durch die Einführung
seiner ersten Videospiel-Charaktere: Mario und Donkey-Kong im gleichnamigen Debüt-Titel. Der Name ihres
Erfinders ist auch heute noch jedem Spieler bekannt: Shigeru Miyamoto.
Der Aufschwung – oder – „Was ist Nintendo?“
Als Nintendo 1983 mit dem Nintendo Entertainment System
(NES) die erste TV-Konsole mit austauschbaren Spielen herausbrachte, war es um
die Herzen der Gamer geschehen – im Übrigen auch um meins, obwohl ich damals
die Konsole nur bei Freunden bestaunen konnte. Das NES bedeutete nicht nur
einen großen technischen Fortschritt, sondern brachte mit Spielen wie Metroid,
Super Mario Bros. und The Legend of Zelda völlig neue Eindrücke: Erlebbare
Welten, Interaktionsmöglichkeiten und erstmals eine spannende Storyline abseits
vom Fünf-Minuten-Unterhaltungswert bisheriger Videospiele.
All diese neuen Konzepte haben bis heute die Genres geprägt:
Jump n’ Runs laufen seither immer nach dem Mario-Prinzip ab und Abenteuerspiele
versuchen bis heute, die hohe Qualität und Spieltiefe der Zelda-Reihe zu
erreichen – bisher ohne Erfolg.
Bei Nicht-Spielern deutlich weniger bekannt als Link und
Mario ist Samus Aran, die Heldin des Sci-Fi-Actionplattformers „Metroid“. Zu
Unrecht, denn die Reihe bietet, völlig abseits vom sonst so kindlichen Image
des Spieleproduzenten, düstere und erwachsene Action mit einem deutlich dunklen
Touch aus den bekannten Alien-Filmen.
Was macht Nintendo also nun aus? In erster Linie wohl
Traditionstreue, denn keine Firma pflegt den Ruf seiner Maskottchen mit einer
solchen Hingabe, wie Nintendo. Mario dürfte als Figur heute wohl den gleichen
Marktwert wie Coca Cola in die Waagschale werfen und die verkaufsstarken Spiele-
und Produktvariationen mit dem dicken Klempner belegen diese Erfolgsserie. Erfreulicherweise
oder gerade aus Angst um das gute Image seiner „Helden“ ist Nintendo immer um
eine Qualitativ hochwertige Umsetzung der jeweiligen Spiele bemüht. Für die
Fans bedeutete das einen stetigen Strom an neuen Titeln, die alle die gewohnt
gute „Nintendo-Qualität“ boten.
Qualität macht immer Spaß – oder nicht?
Das wohl faszinierendste an Spielfiguren wie Link oder Mario
ist, dass sie sich trotz der vielen Titel immer noch unverbraucht anfühlen. Dahinter
sitzt ein gut durchdachtes Konzept: In jedem Sequel wird von Nintendo immer nur
sehr dezent mit Änderungen vorgegangen. Man poliert etwas an der Grafik, bringt
interessante Elemente und variiert das Konzept im Detail. Das Resultat sind
Spieletitel, die zwar nicht das Rad neu erfinden, sich jedoch für Fans immer
„gewohnt“ anfühlen und meist hervorragend spielen. Da Nintendo seine Spiele
meist kompromisslos auf Spaß trimmt, werden so nach und nach unliebsame
Spielelemente herausgefeilt und Neuerungen eher sparsam eingesetzt. Schön daran
ist, dass Nintendo erfolgreich beweist, wie man Spielspaß auch ohne exzessive
Gewaltdarstellungen und High-End-Grafik auf die Bildschirme zaubert. Die Fans
honorieren diesen Einsatz bis heute und zelebrieren den Konzern teilweise in fast
religiösen Ausmaßen. Von diesem extrem pubertären Nerd-Verhalten mal abgesehen
galt trotzdem immer die eine Regel: Man konnte bisher einen Nintendo-Titel
bedenkenlos kaufen und hatte Spaß mit dem Spiel – bisher.
Quo vadis, Nintendo? – Probleme mit den Fans
Dass das Konzept erfolgreich ist, muss angesichts der
aktuellen Verkaufserfolge nicht weiter bestätigt werden. Nach dem NES folgte
mit der SNES-Konsole und dem N64 hochqualitativer Spiele-Nachschub, der bei
Fans und Besitzern heute noch oft den Weg in den Modulschacht findet. Auch
Dritthersteller ließen sich von der Welle tragen und produzierten vor allem auf
den früheren Konsolen hochkarätige Spieleperlen – darunter auch die bekannte
Contra-Reihe (bei uns unter dem Namen „Probotector“ bekannt) oder Street
Fighter-Serie, welche beide gezielt ältere Käuferschichten ansprechen und damit
einen breiten Markt abdeckten.
Doch was sich mit dem Gamecube in ersten Anzeichen
ankündigte, wurde mit der WII langsam aber sicher zum Problem: Nintendo grenzt
sich mit seinen Systemen bewusst von Sony und Microsoft ab. Das ist ein
zweischneidiges Schwert, denn auf der einen Seite brachte diese Abgrenzung
hohen Markterfolg, spaltet aber auch zwangsläufig die Zielgruppen.
Beim Gamecube resultierte dies in einem deutlichen Abflachen
der Spielequalität, da viele Titel auf die stärkere Leistung der Xbox und PS1
getrimmt waren. Viele Titel wurden gar nicht erst für den Gamecube
veröffentlicht oder nur schlecht portiert. Einzig und allein die Nintendo-Titel
und einige Ausnahmen zeigten, dass auch auf dem Würfel gute Qualität möglich
war, doch viele Spieleproduzenten scheuten den Mehraufwand. Als Resultat war
das Spieleangebot verglichen mit der Konkurrenz mehr als Mager und die
Lebenszeit der Konsole zum Verdruss der Fans entsprechend kurz.
Wii geht’s uns heute?
Nintendo verdiente sich am Konzept der „Casual Games“,
welches speziell Gelegenheitsspieler und ältere Menschen anspricht, eine
goldene Nase. Doch ein zum Gamecube recht ähnliches Problem zeichnet sich nun
auf der Wii ab. Das Steuerungskonzept ist sicherlich originell, doch die
Hardwareleistung am Markt nicht konkurrenzfähig. Dritthersteller von Spielen
stehen daher vor einer Wahl: Optimiere ich ein Spiel für eine Konsole, die
nicht mal halb so stark wie eine PS3/Xbox360 ist und bringen eine ansprechende
Wiimote-Steuerung oder ignorieren ich die Wii? Die Tendenz ist leider klar
erkennbar: Die meisten Titel werden für die Wii gar nicht, stark abgespeckt
oder schlecht portiert herausgebracht – ein Symptom, dass Spieler vom Gamecube
schon im Ansatz kennen gelernt haben. Im besten Fall wird die Wii mit mehr oder
minder gut umgesetzten Minispiel-Sammlungen überflutet. Hochkarätige Titel mit
Storyline oder Langzeitspielspaß sucht man vergebens, oder findet sie eben nur
von Seiten Nintendos. Eine traurige Tatsache, die sich aber angesichts der
derzeitigen (fragwürdigen) Anspruchs-Spirale an Grafik und Präsentation immer
mehr ausweitet.
Nintendo steht also am Scheideweg: Werden in Zukunft nur
noch Gelegenheitsspieler, Partyhasen und Fitnessbewusste bedient, oder bekommen
auch die echten Spieler noch etwas zu sehen, dass mehr als 30 Minuten Spielspaß
am Stück bietet? Die Signale, die Nintendo bei der letzten E3 dazu sendete,
waren leider die falschen: Minispiele und Spielereien statt echter Spieleperlen
und Spaßgaranten. Dass sich der Konzern mit solchen enttäuschenden
Ankündigungen bei den eingefleischten Fans nicht gerade Freunde gemacht hat,
dürfte keinen verwundern. Dass selbst Spielehersteller aber von der neuartigen
angekündigten Wii-Steuerungserweiterung nichts mitbekommen haben, zeugt von
einer nicht gerade guten Zusammenarbeit mit den so wichtigen externen Spielequellen.
Abschließend noch ein paar Worte in eigener Sache: Ich war
und bin immer noch ein großer Fan von Nintendo. Diese Zeilen habe ich aus
eigener Überzeugung – und leider auch Enttäuschung - geschrieben. Ich bin von den
Spielen des Konzerns fast ausnahmslos überzeugt, doch die derzeitige
Entwicklung vom damaligen Gamecube und der heutigen Wii enttäuscht mich. Sicher
sind 3rd-Party-Entwickler zum großen Teil mit Schuld am Spielemangel der Wii, doch
Nintendo schlägt durch falsche Signale wie der E3 und der zu anderen Konsolen vergleichsweise
schlechten Internet-Unterstützung der Wii in die gleiche (falsche) Kerbe. Ich
habe viel Spaß an meiner Wii – doch ich hoffe, dass sie nicht mangels guter
Softwaretitel irgendwann im Regal verstaubt. Spätestens dann wäre mein Vertrauen in diesen doch zu Recht erfolgreichen Konzern stark in Mitleidenschaft gezogen.
|