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Indiana Jones 4
(0 Stimmen)
Geschrieben von Feanarth

...und das Königreich des Kristallschädels 

indy4.jpg
Kann leider nicht seinem Namen gerecht werden - Indy 4
Bei allem Hype um den neuen Indy fällt es ziemlich schwer, ein neutrales Review zu finden, geschweige denn zu schreiben. Zwar zähle ich mich selbst nicht zu den großen Fans der Reihe, bin aber (angesichts der soliden Vorgänger) mit gewissen freudigen und durchwegs postivien Erwartungen in diesen Film gegangen. Doch gleich vorab: Ich kann diesen Film leider nicht so hoch einschätzen, wie ich es gern getan hätte. Dafür haben mich einfach zu viele Faktoren gestört und enttäuscht aus dem Kino entlassen. Bevor nun aber die Buh-Rufe kommen: Indiana Jones 4 ist beileibe kein schlechter Film – ein guter allerdings bei weitem auch nicht.

Das geht bei teils sehr schlechten schauspielerischen Leistungen los und zieht sich in Form von überzogenen Effekten und Bluescreen-„Stunts“ über die gesamte Länge. Aber bei aller Kritik, die ich im Folgenden noch näher ausführen will, kann man dem Film eines sicher zugestehen: Indy 4 nimmt sich zu keinem Zeitpunkt richtig ernst. Der augenzwinkernde Humor und die zahlreichen Anspielungen auf die Vorgängerfilme sind durch den ganzen Film sauber verteilt und auch solide inszeniert. Doch leider ist es auch genau diese Ausgelassenheit, die dem Streifen die höheren Wertungsregionen verwehrt.

Effektreich in die B-langlosigkeit

Was gleich zu Beginn anhand von künstlichen Szenerien und 3D-animierten Nagetieren auffällt: Für diesen Teil von Indy Jones stand Geld zur Verfügung – möglicherweise zu viel davon. Bewusst wurde dieser Film auf alt getrimmt, was sich in Settings, Beleuchtung und Soundeffekten Marke „alte Schule“ erkennbar widerspiegelt. Diese Ansätze sind eine gelungene Anknüpfung an die Vorgänger und wecken durchaus auch das alte Flair der Reihe zu neuem, teils digitalen Leben. Das Problem an dieser neuen Nostalgie: Für jede nett designte Gruft, die den Charme des Alten versprüht, bekommt man in Indy 4 eine Actionsequenz geboten, die mit Effekten bis hin zum absolut banalen Surrealismus vollgepackt ist. Leider wirkt genau diese überbetonte Action, aus der Indy übrigens immer total unversehrt hervortritt, nicht klassisch, sondern ziemlich lächerlich und überzogen. Anstelle von Staunen über gelungene Effekte, klatscht man sich daher eher effektvoll an die Stirn. Statt sich über gute Stunt-Szenen zu freuen, empfindet man einige dieser Szenen eher wie eine Art B-Movie – allerdings mit zu großem Budget.

An dieser Stelle will ich den Spielberg-Klischeekasten aber lieber geschlossen halten und sage stattdessen nur: Mehr vom Alten hätte dem Film an dieser Stelle sicherlich gut getan.

Gläserne Schädel und transparente Charaktere

Riesenameisen, Stürze von Wasserfällen, überlebte Atomexplosionen: Die eine oder andere unglaubwürdige Action-Sequenz kann und mag man diesem Film sicherlich noch verzeihen. Doch wenn es um die Handlung geht, fällt dies umso schwerer. So interessant das Thema um den gläsernen Schädel klingt, so sehr verschenken die dargebotenen schauspielerischen Leistungen das Potential der Handlung.

Während Harrison Ford trotz des fortgeschrittenen Alters noch routiniert und mit viel Witz zur Sache geht, verblassen die Nebenfiguren regelrecht in dessen Glanz. Das geht mit der Figur der russischen Irina Spalko (Cate Blanchett) los, die einen ziemlich schwachen Bösewicht abgibt. Dann ist da die „nervige Rolle“ der Karen Allen (Marion Ravenwood), wobei man hier als Zuschauer meistens Probleme hat, das schauspielerisch nervige von der Drehbuch-Vorgabe für ihre Rolle zu unterscheiden. 'Mac' George McHale (Ray Winstone) rundet das traurige Ensemble als durchschaubarer Doppel-Doppelagent ab und seine Rolle im Film verkommt dadurch zur emotionalen Belanglosigkeit.

Einzig und allein Shia LaBeouf liefert in seiner Rolle als Indy-Sidekick "Mutt Williams" solide Leistungen ab. Gags und Szenen mit dem heißblütigen Jungspund sind gut platziert und wirken (mit traurigen Ausnahmen) weit seltener so übertrieben wie bei den übrigen Charakteren. Über dessen Nachfolge und Erbe des Herrn Ford werden im Film übrigens Andeutungen gemacht. Trotzdem bleiben Hut und Peitsche vorerst sprichwörtlich "beim Alten" – was ich persönlich trotz der soliden Leistungen von LaBeouf begrüße. Etwas Anderes hätten wohl auch die großen Fans der Reihe nicht akzeptiert.

Fazit

Was bleibt also übrig, wenn man unter den neuen Indy den Schlussstrich zieht? Die knapp zwei Stunden fühlte ich mich ganz gut unterhalten, doch leider lassen die flachen Charaktere und eine eher seicht erzählte Story die eigene Gefühlswelt auf Bodenniveau hängen. Der Film gibt sich redlich Mühe, es jedem Fan recht zu machen - und verspielt dadurch leider fast jegliche erzählerische Tiefe. Das ziemlich uninspiriert wirkende und effekteüberladene Kristallschädel-Finale unterstützt zudem noch den sehr durchwachsenen Gesamteindruck von Handlung, schauspielerischer Leistung und Inszenierung.

Indy 4 ist ein bunter und unterhaltsamer, aber gerade mal überdurchschnittlicher Streifen, der viel zu viel Potential verschenkt. Man kann sich (bei allem verdienten Hype um diese Serie) nicht des Gefühls erwehren, dass bei einem solchen Budget und einem solchen Namen einfach mehr drin gewesen wäre. Wirklich gutes Popcornkino sieht leider anders aus.

Wertung: 6/10
 
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